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            <journal-title>Judaica: Neue digitale Folge</journal-title>
            <abbrev-journal-title>JNDF</abbrev-journal-title>
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            <publisher-name>Bern Open Publishing</publisher-name>
            <publisher-loc>Bern, Switzerland</publisher-loc>
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         <article-id pub-id-type="doi">https://doi.org/10.36950/jndf.2026.12</article-id>
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            <article-title>Eine <italic>Italienische Reise</italic> im Jahr 1932 – Gershom Scholems Briefe an seine erste Frau, Escha Burchhardt</article-title>
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                  <surname>Necker</surname>
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            <year>2026</year>
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         <volume>7</volume>
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            <copyright-statement>Copyright © 2026, the author. This work is licensed under Creative Commons Attribution 4.0 International.</copyright-statement>
            <copyright-year>2026</copyright-year>
            <copyright-holder>Gerold Necker</copyright-holder>
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         <abstract>
            <p>The year 1932 is pivotal for understanding Gershom Scholem’s academic trajectory at the Hebrew University of Jerusalem and the foundations he laid for modern, scholarly research on the history of Kabbalah. This article presents new findings from the Scholem Archive, focusing especially on his correspondence with his first wife, Elsa Escha Burchhardt. His handwritten letters and postcards from Europe, written during his research trip, document how he established Kabbalah research as a distinct academic discipline through his meticulous examination of Hebrew manuscripts in major libraries in Italy and England. At the same time, these letters shed light on his personal circumstances, his family relationships, and the social-political atmosphere shaped by the rise of fascism in Italy and Germany.</p>
         </abstract>
         <kwd-group kwd-group-type="author">
            <kwd>Gershom Scholem, Briefe an Escha Burchhardt</kwd>
            <kwd>Kabbala</kwd>
            <kwd>Handschriften</kwd>
            <kwd>Wissenschaftsgeschichte</kwd>
            <kwd>Goethe</kwd>
            <kwd>Faschismus</kwd>
         </kwd-group>
      </article-meta>
      <notes>
         <p>Dieser Aufsatz basiert auf meinem Vortrag zur „Farewell Conference for Prof. Dr. Giulio Busi: Jewish Thought, Mysticism, and Art from Antiquity to the Present“ am 19. Juli 2025 an der Freien Universität Berlin.</p>
      </notes>
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      <sec id="einleitung">
         <label>1</label>
         <title>Einleitung</title>
         <p>Es war im Jahr 1932, einem Schlüsseljahr europäischer Geschichte, als der Begründer moderner Kabbalaforschung, Gershom Gerhard Scholem (1897–1982), genau zehn Jahre nach seiner Promotion in München, eine Forschungsreise nach Italien unternahm, ergänzt durch Aufenthalte in London und Cambridge. Diese Reise zur Erkundung kabbalistischer Handschriften sollte, sieben Jahre nach Gründung der Hebräischen Universität Jerusalem, wo er seit 1925 als Dozent jüdische Mystik lehrte,<xref ref-type="fn" rid="fn1">1</xref> und kurz nachdem er einen Katalog der hebräischen Handschriften der Jerusalemer Bibliothek herausgegeben hatte,<xref ref-type="fn" rid="fn2">2</xref> tatsächlich ein Meilenstein seiner wissenschaftlichen Arbeit werden. Er versprach sich davon aber nicht nur einen Zuwachs an Erkenntnissen durch neue Funde, sondern auch an wissenschaftlichem Renommee zur Förderung seiner akademischen Laufbahn. Gerade Scholems Recherchen in den in ihrer Bedeutung für die Überlieferung hebräischer Manuskripte kaum zu überschätzenden italienischen Bibliotheken erbrachten Ergebnisse,<xref ref-type="fn" rid="fn3">3</xref> die seine beruflichen Ambitionen, die er in dieser Zeit dialektisch mit seinem persönlichen Selbstverständnis als kafkaesker Kabbalaforscher verband,<xref ref-type="fn" rid="fn4">4</xref> beflügeln sollten. Scholems philologischer Fokus führte gleich bei seiner ersten Station zu einer so nachhaltigen Inspiration, dass man sie, wollte man den genius loci beschwören, mit Goethes ästhetischer Neuorientierung in Rom vergleichen könnte.<xref ref-type="fn" rid="fn5">5</xref> Darüber hinaus eröffneten sich nach Scholems „Bildungsreise“ auch ganz konkrete Perspektiven, die zeigen, um mit Goethe zu sprechen, „wie sich Glück und Verdienst zuletzt doch finden“:<xref ref-type="fn" rid="fn6">6</xref> im Herbst 1932 zeichnete sich endlich die Zusage einer Professur an der Jerusalemer Universität ab.<xref ref-type="fn" rid="fn7">7</xref> Noch während des laufenden Verfahrens und der unausgereiften Beschreibung des Fachgebiets gratulierte ihm sein intellektuell intimster Freund, Walter Benjamin. Mitte Juli 1932, auf dem Höhepunkt tiefster persönlicher Krise, hatte Benjamin Scholem Klees Aquarell <italic>Angelus Novus</italic> testamentarisch vermacht.<xref ref-type="fn" rid="fn8">8</xref> Fünf Wochen später, nachdem er in prekärer Situation zu einer eigenen italienischen Reise ans Ligurische Meer aufgebrochen war, übermittelte er Scholem „Zur Ausdehnung deiner akademischen Wirksamkeit – meine sehr herzlichen Glückwünsche!“<xref ref-type="fn" rid="fn9">9</xref> Er bezog sich auf das geplante Spektrum der neuen Professur, die entweder Religionsgeschichte oder jüdische Philosophie überhaupt abdecken sollte. Dass es nicht die Kabbala allein sein konnte, hatte Scholem zu akzeptieren, wollte er die Chance wahren, seiner Lebensaufgabe mit einem Lehrstuhl die notwendige Souveränität zu verschaffen. Dabei schwang auch die Hoffnung auf eine finanzielle Aufwertung seiner bisherigen Anstellung als Dozent „für Kabbala“ mit.<xref ref-type="fn" rid="fn10">10</xref></p>
         <p>Die von Scholem letztlich dann doch erfolgreich angestrebte „Arbeitsteilung“ zwischen Philosophie und Kabbala im Programm der Jüdischen Studien an der Hebräischen Universität Jerusalem hatte deutliche Auswirkungen auf das Profil des Faches, dass er ab 1938 als erster Professor mit einem Lehrstuhl für Kabbala vertrat. Das betrifft auch die derzeit wieder intensiv geführte Diskussion darüber, wie das Phänomen „Kabbala“ in seiner formativen Phase begrifflich und ideengeschichtlich zu bestimmen sei.<xref ref-type="fn" rid="fn11">11</xref></p>
         <p>Gershom Scholems Biographie, die eng mit der Etablierung der Kabbala-Forschung als akademischer Disziplin verflochten und damit Teil der Wissenschaftsgeschichte ist, umspannte fast das ganze 20. Jahrhundert, dessen gewalttätiger und schicksalhafter Verlauf nicht ohne Auswirkungen auf seine private, leidenschaftlich zionistische und wissenschaftliche Prosa blieb. Aporien, die der Konfrontation mit der Historie in Vergangenheit und Gegenwart geschuldet sind, spiegeln sich in zahlreichen Formulierungen ebenso hintergründig wie in seiner Neigung zu spielerischen Anklängen an kabbalistisches Denken – etwa an die Verborgenheit Gottes in der Schöpfung oder die Realität des Bösen.<xref ref-type="fn" rid="fn12">12</xref> Auch in der Korrespondenz von 1932 finden sich erkennbare Auffälligkeiten in Scholems Ausdrucksweise. Das nackte Hervorbrechen solcher Emotionen – egal in welchen Gattungen – wird gerade in der jüngeren historischen Forschung durchaus dokumentarisch verwertet.<xref ref-type="fn" rid="fn13">13</xref></p>
         <p>Natürlich berührt Scholems Liebesverhältnis zu seiner ersten Frau Elsa Helene, genannt Escha, geborene Burchhardt (1896–1978), ganz unmittelbar die Frage, welche Gefühle in der Korrespondenz artikuliert werden. Aber eine tiefergehende chronologische Studie dieser Beziehung bis zu ihrem Scheitern, wie sie bisher am detailliertesten von David Biale unter Einbezug von Scholems Tagebüchern versucht wurde, kann der vorliegende Aufsatz nicht leisten.<xref ref-type="fn" rid="fn14">14</xref> Immerhin tragen kleine, hier zum ersten Mal präsentierte Beobachtungen in Scholems Briefen aus Italien dazu bei, bestimmte Tendenzen zu belegen. Dazu gehört neben Scholems überraschend vertraulichem Verhältnis zu seiner Studentin Fanja Freud, die er 1936 heiratete, auch die häufige – und am Briefende regelmäßige – Nennung des langjährigen Freundes Shmu’el Hugo Bergmann,<xref ref-type="fn" rid="fn15">15</xref> der 1932 eine eigene Ehekrise, aber gleichzeitig mit dem Ehepaar Scholem eine Art platonische ménage à trois durchlebte.</p>
         <p>Nicht zuletzt sind auch die in Scholems Briefen von 1932 beschriebenen zahlreichen Begegnungen mit auf unterschiedlichen Gebieten einflussreichen Persönlichkeiten wertvolle Ergänzungen zu deren jeweiligen Biographien – selbst die kurzen Notizen über Walter Benjamin sind hilfreich und geben Zeugnis von einer erwartungsvollen Spannung, die in diesem Jahr jedoch nicht zum geplanten und beiderseits erhofften physischen Wiedersehen führte, sowie von den Briefen an Benjamin vom Sommer 1932, die leider verloren sind.</p>
         <p>Lokales Ambiente und Milieuschilderungen sind Teil von Scholems autobiographischem und autobiographisch eingefärbtem Schreiben und sollen in diesem Aufsatz gebührend berücksichtigt werden. Dass dies mit Gewinn auch im Kontext wissenschaftlicher Begriffsbildung oder konzeptioneller Forschung untersucht werden kann, hat methodisch vor allem Saverio Campanini aufgezeigt;<xref ref-type="fn" rid="fn16">16</xref> zuletzt mit Blick auf Scholems dreimaligen Aufenthalt in München – als Doktorand (1919-1922), während seiner Europareise (1932) und zum Empfang des Großen Literaturpreises der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1974) – unter der interessanten philosophischen Fragestellung, wie sich intellektuelle Entwicklung eben nicht kontingent, sondern als biographisches Geschehen notwendig vollzieht.<xref ref-type="fn" rid="fn17">17</xref></p>
         <p>Speziell für die Kabbalaforschung schließlich sind Ort und Zeit von Scholems Entdeckungen im Jahr 1932, die bisher oft nur mit ihren späteren Publikationen verbunden wurden und deren Datierung dann zu korrigieren ist, von nicht zu unterschätzender Bedeutung.<xref ref-type="fn" rid="fn18">18</xref> Deshalb soll in diesem Beitrag auf die wichtigsten Funde eingegangen werden – sie stellen einen eigenen Fokus dar, der für eine präzise Rekonstruktion der Begründung moderner Kabbalaforschung unverzichtbar ist. Sogar Scholems (in der Mehrzahl männliche) Schüler und spätere Kollegen profitierten noch von seinen Abschriften und photographischen Reproduktionen, die er in Italien in Auftrag geben hatte und mit denen er einen frühen Impuls zu einer Entwicklung setzte, die ab 1950 zum Aufbau jener Mikrofilmsammlung führte, deren digitales Format inzwischen gängiges Hilfsmittel globaler Forschung ist.</p>
         <p>Auch wenn die folgende Auswertung von Scholems unveröffentlichter Korrespondenz aus dem Jahr 1932 in vorrangig zeit- und wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive (siehe Abb. 3) selbstverständlich nicht nur Resultate für die Scholem-Forschung im engeren Sinne bereithält, darf sie als Beitrag <italic>ad Minima Scholemiana</italic> verstanden werden.</p>
      </sec>
      <sec id="neue-quellen-im-scholem-archiv">
         <label>2</label>
         <title>Neue Quellen im Scholem-Archiv</title>
         <p>Trotz der Bedeutung des Jahres 1932 für Scholems Biographie wurde bisher neben den wenigen publizierten Briefen an seine Mutter und dem Briefwechsel mit Benjamin für diese Zeit kaum neues Material erschlossen.<xref ref-type="fn" rid="fn19">19</xref> Im Folgenden werden zum ersten Mal 39 seiner noch unveröffentlichten Briefe samt 6 Ansichtskarten ausgewertet, die Scholem 1932 an seine erste Frau Escha schickte.<xref ref-type="fn" rid="fn20">20</xref> Sie geben Einblick in diesen sonst kaum durch Selbstzeugnisse erhellten Zeitraum von Scholems Biographie, in dem er unter anderem seinen umfangreichen deutschen Artikel „Kabbala“ redigierte, der im Dezember 1932 im 9. Band der <italic>Encyclopaedia Judaica</italic> gedruckt wurde.<xref ref-type="fn" rid="fn21">21</xref> Dieser überraschenderweise ungekürzte, rund fünfzigseitige Beitrag, der sich auf Scholems Forschungsergebnisse stützte und in die er auch noch Funde der Italienreise einarbeitete,<xref ref-type="fn" rid="fn22">22</xref> war für ihn hinsichtlich akademischer Evaluierung sowie des zu erwartenden Honorars von entscheidender Bedeutung. Wiederholt kommt er darauf zu sprechen; Vorhaben, deren Finanzierung auf dem zuletzt wegen Insolvenz des Eschkol-Verlags doch ausgebliebenen Honorar beruhten, durchziehen den ganzen Briefwechsel mit Escha. Außerdem trat Benjamin schon am 28. Februar 1932 mit der Bitte um „ein Fahnenexemplar“ an Scholem heran, der aber erst ein knappes Jahr später entsprochen wurde.<xref ref-type="fn" rid="fn23">23</xref></p>
         <p>Scholems Briefe geben einen lebhafteren Eindruck von seiner Kommunikation mit Escha als die spärliche bisher veröffentlichte Briefauswahl, die nur die Zeit vor ihrer Heirat 1923 und nach ihrer Scheidung 1936 betrifft.<xref ref-type="fn" rid="fn24">24</xref> Aus der frühen Korrespondenz ist immerhin zu erfahren, dass die aus streng orthodoxer Familie stammende Escha Burchhardt, die in Hamburg Medizin bis zum Physikum und dann in Heidelberg – wo sich die beiden zum ersten Mal begegneten – Philosophie studiert hatte, intellektuell von Scholem respektiert und ausschlaggebend für die Abkehr von seinem Plan, in Freiburg (mit der Aussicht, bei Husserl) zu studieren, war.<xref ref-type="fn" rid="fn25">25</xref> In München setzten Scholem – nun mit philologischem Schwerpunkt in Semitistik – und Escha Burchhardt ihr Philosophiestudium bereits als Paar und ab Oktober 1921 in einer gemeinsamen Wohnung fort.<xref ref-type="fn" rid="fn26">26</xref> Beide verbanden die Liebe zur jüdischen Traditionsgeschichte und hebräischen Sprache mit konsequenter „zionistischer Arbeit“, die intensiven Gesprächsrunden und Zusammenkünften Gleichgesinnter galt. In direkter Fortsetzung dazu darf ihr späteres gemeinsames Engagement im <italic>Brit Shalom</italic> als zionistisches Bündnis für eine idealtypische Zukunft gesehen werden.</p>
         <p>Dabei dürfte 1932 ein Jahr der Weichenstellung gewesen sein, als Escha während ihrer Fernbeziehung in Jerusalem allein einen Hausbau samt Umzug von der „Abyssinian-Road 139“<xref ref-type="fn" rid="fn27">27</xref> (<italic>Me‘ah She‘arim</italic>) in den Stadtteil Rechavja (Ramban-Str. 51) organisieren und durchführen musste. Das neue, einstöckige Doppelhaus teilten sich Scholems mit Shmu‘el Hugo Bergmann, damals Bibliotheksdirektor und Philosophiedozent, der sich 1935 von seiner Frau trennte und – ein Jahr später – Escha heiratete.<xref ref-type="fn" rid="fn28">28</xref></p>
         <p>Gershom Scholems Briefe an Escha dokumentieren Ort und Zeit vieler seiner wichtigen wissenschaftlichen Entdeckungen bzw. „Sensationen“, wie er sie nannte, überhaupt seine Erlebnisse, Begegnungen und Bekanntschaften vor Ort – von manchen Namen erfahren wir hier zum ersten Mal – sowie seine Kommentare zu Eschas Neuigkeiten, vor allem das aus seiner Sicht skandalöse Tauziehen um die Ein- und Ausrichtung seiner Professur.<xref ref-type="fn" rid="fn29">29</xref> Wie ein roter Faden ziehen sich Geldsachen und -sorgen durch die Briefe. Die finanzielle Belastung durch den Hausbau löste bei Scholem die schlimmsten Befürchtungen aus: „Ich habe im Traum schon meine Bibliothek wegen Hypothekenschulden, die ich nicht bezahlen kann, versteigert.“<xref ref-type="fn" rid="fn30">30</xref> Außerdem geht es in der Korrespondenz um Scholems zahlreiche Aufträge an Escha, für die er dankbar, aber, im Fall nachlässiger Erledigung, mitunter herzlich ungehalten war.<xref ref-type="fn" rid="fn31">31</xref> Liebesbriefe sind jedenfalls keine dabei, nur einmal erlaubte sich Scholem ein intimes Kosewort: „Dein Gerhard Fasanowitsch“.<xref ref-type="fn" rid="fn32">32</xref> Ansonsten verabschiedete er sich einfach herzlich, gern mit Küssen und häufig mit Grüßen an „Hugo“. Auffällig ist immerhin, dass er seine (ein Jahr ältere) Frau brieflich meist mit den gleichen Worten anredet, die seine Mutter an ihn richtete: „Mein liebes Kind“.<xref ref-type="fn" rid="fn33">33</xref></p>
         <p>Scholems einzelne Stationen seiner Europareise von 1932 lassen sich dank der datierten Briefe, Ansichtskarten und immer wieder aktualisierten Adressen, an die Escha nicht nur schreiben, sondern auch Schecks und Bücher schicken sollte, gut rekonstruieren: von Jerusalem nach Port Said (18. März); Neapel (20. März) und Rom (21. März bis 14. Mai); Montepulciano („Pfingstwochenende“); Florenz (16. Mai bis 5. Juni); dazwischen (2. Juni) Livorno; Bologna (Sonntag, 5. Juni); Mantua (6. Juni); Parma (7. bis 27. Juni); Mailand (27. Juni bis Dienstag, 12. Juli); München (13. Juli); Frankfurt/Main (1. August); London (7. August); Cambridge (15. August); London (spätestens ab 26. August, bis 7. September); Hamburg; Berlin (14. September bis Yom Kippur, 9./10. Oktober); München (11. Oktober), über Rom nach Neapel (16. Oktober); Port Said (20. Oktober); Jerusalem (21. Oktober).</p>
         <p>Abgesehen von materiellen Widrigkeiten und leidigen Missgeschicken – z. B. eine herausgefallene Amalgamplombe,<xref ref-type="fn" rid="fn34">34</xref> seine neu gekauften Strümpfe, die alle nach einmaliger Nutzung löchrig wurden, sein Anzug, der trotz Gewichtverlust aus den Nähten platzte oder der in Bologna verlorene Regenschirm – verlief die Reise durch Italien erfolgreich. Doch für die unterschiedlichen Durchgangsetappen auf deutschem Boden erwartete Scholem, der 1926 offiziell ins britische Palästina eingebürgert worden war und seinen deutschen Pass im Jerusalemer Konsulat abgegeben hatte, nicht viel Gutes.<xref ref-type="fn" rid="fn35">35</xref> Die Druckerei seines verstorbenen Vaters geriet vierzig Jahre nach ihrer Gründung in die Insolvenz, und Scholem stand eine Auseinandersetzung über sein Erbteil mit seinen Brüdern in Berlin bevor. Es war die Zeit, als die Weimarer Republik im Strudel der Weltwirtschafts- und Bankenkrise bis zum Tiefpunkt der Rezession 1932 langsam zerfiel, während antisemitische Straßengewalt zunahm und Adolf Hitler im Februar desselben Jahres zunächst deutscher Reichsbürger und Braunschweiger Regierungsrat wurde.</p>
         <p>Gleichzeitig beging man in Deutschland aus Anlass von Goethes hundertstem Todestag 1932 als Goethe-Jahr in hochstilisierter Jahrhundertfeier. Der Dichter war so allgegenwärtig, dass gern der Witz kolportiert wurde „Guten Tag, wie Goethes Ihnen?“<xref ref-type="fn" rid="fn36">36</xref> Besonnenere Geister beklagten aber schon im Vorfeld die zu erwartende Phraseninflation, ähnlich kritisch äußerte sich Benjamin in einem Brief an Scholem.<xref ref-type="fn" rid="fn37">37</xref> Es war keine Überraschung, dass Goethe nationalsozialistisch für einen sog. „faustisch-germanischen Kampfaufruf“ vereinnahmt wurde. Auch an Sammel- und Festausgaben war kein Mangel. Als Rarität erschien das italienisch geschriebene Manuskript („Viaggio per l’Italia“) einer Reise nach Rom, Neapel und Mailand von Goethes Vater Johann Caspar aus dem Jahre 1740.<xref ref-type="fn" rid="fn38">38</xref> Nicht zufällig ermunterte Betty Scholem ihren Sohn zu dessen Reiseantritt im Brief vom 18. März, einem Freitag, an dem Thomas Mann Goethe mit einer Rundfunkfestrede ehrte,<xref ref-type="fn" rid="fn39">39</xref> mit dem Faust-Wort: „Das Pergament, ist das der wahre Bronnen, / Aus dem ein Trunk den Durst auf ewig stillt?!“<xref ref-type="fn" rid="fn40">40</xref> Damit gab sie ihm zu verstehen, dass es lohne, die Schönheiten von Kunst und Landschaft gleich bei der Ankunft in Neapel zu genießen, statt nach Plan sofort die römischen Bibliotheken anzusteuern. Obwohl er den Brief erst am 21. März in Rom zu lesen bekam, hätte der Sohn den mütterlichen Rat unfreiwillig befolgen können, denn durch Polizeikontrollen verzögerte sich seine Weiterfahrt, so dass er den ersten Zug verpasste. Ironischerweise scheint Scholems Schilderung seines Genusses der Panorama-Aussicht am Golf von Neapel so gar nicht vereinbar mit Goethes Begeisterungsruf „Vedi Napoli e poi muori“, denn er schreibt als ersten Satz „die Ärger begannen in Neapel“.<xref ref-type="fn" rid="fn41">41</xref> Die Details dazu deutet er im Brief an die Mutter nur an. Sie finden sich aber ausführlich im ersten Italienbrief an Escha aus Rom und verraten, dass diese Kommunikation von ganz anderer emotionaler Qualität war. Scholem erlaubte sich nicht nur in diesem Fall eine Affektentladung<xref ref-type="fn" rid="fn42">42</xref> – worin man vielleicht auch einen der Vorteile geregelter Liebesbeziehungen sehen könnte – nach einer Reihe unerfreulicher Ereignisse: der Folgezug (den ihm offenbar Escha und Hugo notiert hatten) wäre nur mit indiskutablem Aufpreis für Schlafwagen möglich gewesen, außerdem ließ ihn der Taxi-„Chauffeur“ am falschen Bahnhof aussteigen, laut Scholem mit dem Ziel absichtlicher Erhöhung des Fahrpreises, weshalb er ihn „Brigant“ schimpfte; die Folge war eine dreistündige Wartezeit, „was ich zu einem Ausflug in die Stadt zur schönen Aussicht auf das Panorama benutzte, umsonst war freilich auch hier nichts“.<xref ref-type="fn" rid="fn43">43</xref></p>
      </sec>
      <sec id="rom">
         <label>3</label>
         <title>Rom</title>
         <p>Scholem schrieb alle Briefe an Escha auf Deutsch, nur selten findet sich ein hebräisches Wort. Konsequent hebräisch, und zwar durchaus mit religiösen Implikationen, wenn auch nicht mit allen, schreibt Scholem nur das Wort <italic>Shabbat –</italic> außer, wenn ein <italic>Shabbat</italic> auf einen Reisetermin fiel, dann nennt er ihn einfach „Sonnabend“. Wie intensiv er das religiöse Klima in Italien erlebte, zeigt ein Satz, den er ebenfalls schon im ersten Brief aus Rom am 21. März formulierte: „<italic>Erev Shabbat</italic> war ich in der Synagoge und es war gänzlich voll, unglaublich, ich war ganz baff.“<xref ref-type="fn" rid="fn44">44</xref></p>
         <p>Scholem hatte bereits in Neapel einen (undatierten) Brief eingeworfen, in dem er von seinen ersten Missgeschicken auf dem Weg zum ägyptischen Hafen Port Said erzählt, etwa dass sein Zug mit nach Mekka reisenden arabischen Passagieren fürchterlich überfüllt war. Die lange Umsteigezeit in Al-Qantara verkürzte ihm „unser Freund Stapleton, der indische Alchemist“.<xref ref-type="fn" rid="fn45">45</xref> Nach teurer Zollabfertigung erwartete ihn auf dem Dampfer die nächste Überraschung. Offenbar hatte Escha die Buchung vorgenommen, weshalb eine schöne Doppelkabine vorgesehen war. Da sie nicht dabei war, verlegte man Scholem ins Oberbett einer Dreierkabine. Das Schiff war voller Inder, das Meer zunächst ruhig und Scholem begann sein, wenn man so will, Reisetagebuch in Briefform mit den Worten: „Ich schreibe dies auf dem Schiff am Freitag-Nachmittag und zwar, da ich nirgends Tinte habe und Du mir keinen Füllfederhalter gekauft hast, mit Blei.“</p>
         <p>In Rom wurde er dann von seiner Lieblings-Cousine Loni,<xref ref-type="fn" rid="fn46">46</xref> die als Sekretärin im <italic>Palazzina Internazionale dell’Agricoltura</italic> arbeitete, bei den aus Österreich stammenden jüdischen Wirtsleuten Taussig untergebracht.<xref ref-type="fn" rid="fn47">47</xref> Er schildert Escha den Ärger in Neapel und schreibt am nächsten Morgen weiter über seine erste Bestellung von Sohar-Manuskripten in der Biblioteca Casanatense, die einen ganz alten, rückständigen Lesesaal habe, in dem man nur mit Füllfederhalter schreiben dürfe, was ihn zwinge, sich einen zu kaufen.<xref ref-type="fn" rid="fn48">48</xref></p>
         <p>Zunächst hatte Scholem wegen der eingeschränkten Öffnungszeiten der Casanatense genug Muße für Rom. Also ging er mit Loni ins Kino – einmal in einen Film mit Buster Keaton. Die Einschränkung auf diese Art Vergnügen war seinem schmalen Budget geschuldet, denn er schreibt: „mein Traum war, mal in die Oper zu gehen – kommt gar nicht in Frage.“<xref ref-type="fn" rid="fn49">49</xref> Immerhin hörte Scholem dann wenigstens das „Oratorium Mose in Ägypten“ mit der Berliner Singakademie<xref ref-type="fn" rid="fn50">50</xref> und verwies mit den hebräischen Worten „<italic>davar be-ito</italic>“<xref ref-type="fn" rid="fn51">51</xref> auf dessen brisante Aktualität für die deutschen Juden. Auf Eschas Drängen hin gönnte er sich am Ende doch noch einen Opernbesuch: Giuseppe Verdis <italic>La Traviata</italic>.<xref ref-type="fn" rid="fn52">52</xref> Er besichtigte auch mehrere Kirchen sowie die Via Appia und wagte sich in die dichte Menge im Petersdom; dort gefiel ihm besonders der liturgische Gesang, doch abschreckend fand er die „unvorstellbar viel[en] Deutsche[n]“, wie er schreibt, „alles Hitlerfratzen, du würdest es nicht glauben, welche Physiognomien man hier trifft.“<xref ref-type="fn" rid="fn53">53</xref></p>
         <p>Bei seinem Besuchsprogramm in Rom erlebte er dann eine herbe Enttäuschung: Hugo Bergmann hatte ihm einen Empfehlungsbrief für den führenden Vertreter des italienischen Zionismus, Dante Lattes (1876-1965), mitgegeben. Zwar habe ihn dieser höflich empfangen, „aber“, sagt Scholem, „eben auch nicht mehr als das“.<xref ref-type="fn" rid="fn54">54</xref> Einen Grund fand er nicht, schließlich hätten sie hebräisch gesprochen, was Lattes sehr gut könne.</p>
         <p>Eine freundschaftliche Beziehung bahnte sich dagegen rasch mit dem sizilianischen Theologie-Professor Mario Puglisi (1867–1954) an, der als Autor von <italic>La Preghiera</italic> (Turin 1928) neugierig auf Scholems kabbalistische Kenntnisse war, während diesem angesichts seiner zur Religionsgeschichte reichhaltig ausgestatteten Bibliothek der Stoßseufzer entrang „ach hätten wir die in Jerusalem“.<xref ref-type="fn" rid="fn55">55</xref> Puglisi diskutierte mit Scholem über Gebetsmystik und bot und ihm sogar Gelegenheit zu einem öffentlichen Vortrag, den er teils deutsch, teils französisch hielt – „obwohl man behauptet“, schreibt Scholem, „daß ich italienisch schon ganz gut herausbrächte“.<xref ref-type="fn" rid="fn56">56</xref></p>
         <p>Euphorisch werden Scholems Briefe, nachdem er am 29. März unter Vermittlung von Pater Dr. Kleinhaus Zugang zur Vatikanischen Bibliothek bekommen hatte:<xref ref-type="fn" rid="fn57">57</xref></p>
         <disp-quote>
            <p>Ich wurde von Mons. Tisserant (du hast richtig gelesen) sehr freundlich empfangen (der Mann – der Direktorstellvertreter! – führt selbst die Aufsicht im Hss-Saal, denke Dir das in Jerusalem), habe also durch Magnes’ Brief […] die erbetene Spezialerlaubnis, die wirklich nur ganz wenige Leute haben, und brauche sie bitter. Ich arbeite also von morgens um 8, wo sie öffnen, mit einer Mittagspause bis zum Einbruch der Dunkelheit, also ½ 7 bis 7 abends. Ich muss 125 Hss. durchsehen, darunter viele Sohar-Hss, von denen ich nichts wusste.<xref ref-type="fn" rid="fn58">58</xref></p>
         </disp-quote>
         <p>Der Pro-Präfekt der Bibliothek, Eugène Tisserant, von Haus aus Kirchenhistoriker und Orientalist, modernisierte die Methoden der Bibliotheksnutzung und verschaffte gern auch ausländischen Gelehrten Zugang. Scholem „revanchierte“ sich, wie er schreibt, für das freundliche Entgegenkommen mit Korrekturangaben zu „falsch gebundenen Codizes“.<xref ref-type="fn" rid="fn59">59</xref> In der Vaticana lernte Scholem den Dogmatik-Professor und Mittelalterspezialisten Martin Grabmann (1875-1949) so gut kennen, dass er ihn in München wiedersehen wollte. Kollegiale Sympathie verband Scholem auch mit dem Semitisten und Islamwissenschaftler Giorgio Levi della Vida (1886-1967), einer von zwölf Professoren, die abgesetzt wurden, weil sie 1931 den Treueeid auf das faschistische Regime verweigerten.<xref ref-type="fn" rid="fn60">60</xref> Seitdem katalogisierte Della Vida arabische Manuskripte im Vatikan. Ausgerechnet bei Scholem beklagte er sich, dass sein Schüler Enzo Chayim Sereni trotz genialer Begabung leider von der Wissenschaft „abgefallen“ und Zionist geworden sei. Sereni war Mitbegründer des Kibbuz <italic>Giv‘at Brenner</italic> und wurde 1944 bei einem britischen Spezialeinsatz als Fallschirmspringer in Norditalien gefasst, gefoltert und in Dachau ermordet.<xref ref-type="fn" rid="fn61">61</xref> Ähnlich wie Gershom Scholems Bruder Werner war auch Enzos Bruder Emilio Kommunist und geriet 1930 in Rom in Haft, und Scholem deutet Escha gegenüber an, Wege zur Kontaktaufnahme finden zu wollen.<xref ref-type="fn" rid="fn62">62</xref></p>
         <p>Im April begann Scholem in der Biblioteca Vaticana seine sog. „Liste der Sensationen und Großartigkeiten“ anzulegen, die rasch auf über ein Dutzend Einträge anwuchs. Beispielsweise schreibt er am Ende seiner vierten Woche in Rom, „ich habe als größte Sensation den <italic>vollständigen</italic> <italic>Perush ha-Aggadot</italic> des Esra ben Salomo in Gerona (um 1230) aufgefunden“ und gibt Escha zum Vergleich den Hinweis auf die Nummer 1 in seinem Katalog der Jerusalemer Handschriften.<xref ref-type="fn" rid="fn63">63</xref></p>
         <p>Eine Sternstunde erlebte Scholem kurz nach Pessach, nachdem er die Sederfeier bei Loni geleitet und aus einer Luxus-Edition der berühmten Darmstädter Haggada gelesen hatte, die von Anna Fraenkel, Lonis Frankfurter Freundin, mitgebracht worden war.<xref ref-type="fn" rid="fn64">64</xref> Er schreibt: „Vorgestern […] hatte ich die Sensation, denke dir (man wird glauben, ich hätte es gefälscht!) einen Brief Isaaks des Blinden an Nachmanides mit konkretem Datum!“<xref ref-type="fn" rid="fn65">65</xref> Diesen Fund arbeitete er sofort in die Korrekturen seines Kabbala-Artikels ein,<xref ref-type="fn" rid="fn66">66</xref> und noch in Scholems Monographie <italic>Ursprung und Anfänge der Kabbala</italic> von 1962 findet sich dazu ein Echo:<xref ref-type="fn" rid="fn67">67</xref> „Als es mir vergönnt war, einmal einen solchen Brief einer der zentralsten Gestalten aus den Anfängen der provençalischen Kabbala aufzufinden, war dies eine große und freudige Überraschung für mich.“</p>
         <p>Die Nachhaltigkeit seiner Handschriftenrecherchen vor Ort, die er künftig mit mehr Zeit am gesichteten Material selbst vertiefen wollte, garantierte Scholem mit umfangreichen – und als erheblicher Kostenfaktor durch Einsparungen bei Restaurantbesuchen kompensierten – Reproduktionsaufträgen an das Fotoatelier Sansaini in Rom.<xref ref-type="fn" rid="fn68">68</xref> Offenbar hoffte Scholem, das privat verauslagte Geld für seine Photosammlung kabbalistischer Handschriften durch offizielle Übernahme der Universität wiederzubekommen, zumindest plante er eine systematische Erfassung in einer entsprechenden Einrichtung, wie aus Benjamins Antwort auf einen verlorenen Brief Scholems deutlich wird: „Erfreulicher ist aber die Konstituierung der photographischen Abteilung Deines Kabbala-Archivs, zu der ich denn also herzlichst Glück wünsche“.<xref ref-type="fn" rid="fn69">69</xref> Über den für ihn wohl wichtigsten Fund in fotografiertem Material berichtet Scholem Benjamin gut ein Jahr nach seiner Rückkehr: „Zu den letzten Entdeckungen, die meine Erkenntnis bereichert haben, gehört der Nachweis der Existenz des ‚Ur-Bahir‘, dessen Reste ich in einer römischen Hs. vorige Woche gefunden habe und womit eine meiner geliebtesten Hypothesen über die Ursprünge der Kabbalah einen gänzlich unerwarteten Tatsachenboden gewonnen hat.“<xref ref-type="fn" rid="fn70">70</xref> Es geht dabei um seine berühmt gewordene Rekonstruktion der in karäischer Polemik neben anderen „Zauberbüchern“ aufgeführten Schrift <italic>Raza Raba</italic>, die Scholem in den Zitaten aus einem <italic>Sod ha-gadol</italic> („Das große Geheimnis“; gleichbedeutend mit <italic>Raza Raba</italic>) in einem ashkenazischen Kommentar aus dem 13. Jahrhundert zur spätantiken <italic>Shi‘ur Qoma</italic>-Tradition erfolgreich identifiziert zu haben glaubte und deren orientalischen Ursprung und gnostischen Charakter er für ausgemacht hielt.<xref ref-type="fn" rid="fn71">71</xref> Auch wenn diese Schlussfolgerungen in der aktuellen Forschung zu Recht in Frage gestellt wurden, so haben sie doch siebzig Jahre lang die Erforschung der Quellen zur mittelalterlichen Kabbala mitbestimmt.<xref ref-type="fn" rid="fn72">72</xref></p>
      </sec>
      <sec id="von-rom-nach-florenz">
         <label>4</label>
         <title>Von Rom nach Florenz</title>
         <p>Am Sonnabend vor Pfingsten reiste Scholem zunächst nach Montepulciano, um dort das Wochenende mit Loni zu verbringen. Was sie dort erlebten, zeigt Scholems Wahrnehmung der gesellschaftlichen Veränderungen im faschistischen Italien, die im Briefwechsel mit seiner Mutter anklingen,<xref ref-type="fn" rid="fn73">73</xref> in noch schillernderen Farben. Er schreibt:<xref ref-type="fn" rid="fn74">74</xref></p>
         <disp-quote>
            <p>Liebstes Eschalein, dies ist der mit Füllfeder geschriebene Übergangsbrief von Rom nach Florenz […] Gestern Abend wohnten wir der „Eröffnung“ des Tonfilms in Montepulciano bei! […] Bei dieser Gelegenheit sah ich eine der großartigsten Aufnahmen, die ich je gesehen habe und von der ich wünschte, daß sie über alle Welt gehen könnte […]:<xref ref-type="fn" rid="fn75">75</xref> die <italic>vollständige</italic> 30 Minuten lang dauernde Wiedergabe einer großen Rede von Mussolini mit sämtlichen gänzlich unretouchierten Details der Gestikulation und Schauspielerei. Es ist die großartigste Portraitaufnahme, die ich bisher irgendwo gesehen habe, und in der absoluten Realistik und Drastik nur erstaunlich, daß das hier gezeigt werden darf. Das Mienenspiel würde Dich zur Begeisterung bringen. Ein <italic>großer</italic> Schauspieler! Interessanterweise wurde hier nach oder während der langen Rede nicht ein einziges Mal Beifall laut, die Leute lachten vielmehr genauso wie wir über die ungeheure Komik des Mienenspiels und nahmen die Sache scheinbar in keiner Weise ernst. Und das Ganze in der <italic>Casa del Fascio</italic> des Ortes!</p>
         </disp-quote>
         <p>Dieser Bericht ist in doppelter Hinsicht bemerkenswert: zum einen, weil die Zuschauer der toskanischen Ortschaft damals ähnlich reagierten wie 1940 das New Yorker Publikum auf die Premiere von Charly Chaplins <italic>The Great Dictator</italic>, und zum anderen lässt sich nicht leicht eine Antwort auf die Frage finden, wie sich Scholem zur Abendunterhaltung ausgerechnet in die <italic>Casa del Fascio</italic>, quasi ein faschistisches Volksheim, aufmachen konnte. Seiner cineastischen Ader allein dürfte es wohl nicht geschuldet sein; offenbar hatte Scholem auch ein Faible für praxisnahe Soziologie, was in Italien nicht ohne Überraschung blieb.</p>
         <p>Nach dieser Episode reiste Scholem allein Richtung Florenz weiter, wo er von dem befreundeten Bibelwissenschaftler Umberto Cassuto erwartet wurde, mit dem er schon viele Jahre (hebräisch) korrespondierte. Leider findet sich zum Briefwechsel mit Cassuto während Scholems Europareise im Archiv nur ein einziges Dokument, das Fragment eines (deutschen) Briefs vom 28. Juli 1932,<xref ref-type="fn" rid="fn76">76</xref> also zu einem Datum, an dem sich Scholem schon in München befand.<xref ref-type="fn" rid="fn77">77</xref> Das Brieffragment enthält die Auflistung und Kurzbeschreibung von hebräischen Kabbala-Handschriften; offenbar wird Scholem dazu um Auskunft gebeten.<xref ref-type="fn" rid="fn78">78</xref> Für die einzelnen Manuskripte werden Hinweise auf Scholems Jerusalemer Katalog, seine Aufsatzreihe zur (Früh-)Geschichte der Kabbala sowie Einträge bei Moritz Steinschneider gegeben.<xref ref-type="fn" rid="fn79">79</xref> Signaturen werden keine erwähnt; auf kurze Angaben zu Größe und Material folgt sofort der Inhalt. Zu den Manuskripten gehört beispielsweise eine „ganz kleine alte Pergament-Hs.“, u. a. mit Jakob ha-Kohens Kommentar zum Alphabet, Gebet- und Sefirotkommentaren sowie dem Traktat <italic>Keter Shem Tov</italic>, über den Scholem in seinem Jerusalemer Katalog innovative Thesen aufgestellt hatte.<xref ref-type="fn" rid="fn80">80</xref> Zwar findet sich in der Biblioteca Medicea Laurenziana in Florenz die Handschrift Plut 44.14 (sefardisch, 15. Jahrhundert), die genau diese Werke enthält, aber noch präziser ist die Übereinstimmung mit MS New York, JTS, 8122 (italienisch, 14. Jahrhundert). Wenn man dieser Spur weiter nachgeht, lässt sich die Frage, um was für eine Liste es sich in dem Schreiben vom 28. Juli handelt, mit einem Aufsatz von Alexander Marx zu Jacob Halperns Sammlung beantworten,<xref ref-type="fn" rid="fn81">81</xref> die 1932 vom Jewish Theological Seminary komplett erworben wurde. Marx beschreibt tatsächlich genau die in der Liste vom Juli 1932 aufgeführten Handschriften. Welche Rolle dieses Brieffragment in der Korrespondenz zwischen Scholem und Cassuto spielte, bleibt allerdings offen.<xref ref-type="fn" rid="fn82">82</xref></p>
         <p>In Florenz stellte Cassuto Scholem ein Zimmer der Societa Asiatica in der Universitätsbibliothek zur Verfügung. Von seiner Arbeit (zwischen 10 Uhr und 16 Uhr) hat Scholem nicht viel zu erzählen, berichtet aber von einem vierstündigen Besuch der „Gemäldegalerien“. Er lässt wieder Photos anfertigen und beschwert sich über die „schikanösen Vorschriften“, wonach die Reproduktionen auch nach Bezahlung Eigentum der Bibliothek bleiben sollen. Cassuto, den er mit dem orthodoxen Rabbiner und Rabbinica-Dozenten (ab 1936 Professor) Simcha Assaf (1883-1953) vergleicht, sei herzlicher Gastgeber eines „streng koscher“ geführten Hauses. Mit dem zehn Jahre älteren Isaiah Sonne (1887-1960), der damals in Florenz Talmud im Rabbinerkolleg lehrte, unternahm er an „Fronleichnam“, also am Donnerstag, den 26. Mai, einen Ausflug ins höhergelegene Fiesole, das für seine grandiose Aussicht auf Florenz gerühmt wurde. Entspannt sollten seine Zeilen an Escha aber nicht bleiben, und das lag nicht nur am nasskalten Wetter und seiner Verschnupfung.<xref ref-type="fn" rid="fn83">83</xref> Ende Mai erreichte ihn ein hebräischer Brief der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Hebräischen Universität Jerusalem, unterschrieben vom Dekan, Shmu’el Klein:<xref ref-type="fn" rid="fn84">84</xref></p>
         <disp-quote>
            <p>Sehr geehrter Dr. Scholem!</p>
            <p>In der Fakultätssitzung vom 26. Adar d.J. (4. März 1932) haben sich einige Fakultätsmitglieder mit der Frage an Sie gewandt, ob Sie Ihre Zustimmung geben, die Lehre im Fach „Jüdische Philosophie“ zu übernehmen.</p>
            <p>Sie haben auf diese Frage damals keine definitive Antwort gegeben. In der letzten Fakultätssitzung (vom 19. Jiar, 25. Mai 1932), ist die Frage erneut aufgekommen. Die Fakultät hat beschlossen, Sie dem Rat für die Dozentenstelle im Fach „Jüdische Philosophie“ vorzuschlagen. Allerdings will die Fakultät diesen Schritt nicht machen, ohne zuvor Ihre Meinung in dieser Sache eingeholt zu haben. Daher wende ich mich im Namen der Fakultät an Sie mit der Frage, ob Sie zustimmen, die Lehre im Fach „Jüdische Philosophie“ zu übernehmen und ob es ihrerseits keine Einwände dagegen gibt, dass die Fakultät diese Frage dem Rat vorlegt?<xref ref-type="fn" rid="fn85">85</xref></p>
         </disp-quote>
         <p>Mit diesem Zwischenspiel kam eine neue Dynamik in das Verfahren zur Einrichtung eines neuen Lehrstuhls, das von Scholem trotzdem bald als unwürdige Posse betrachtet wurde. Zunächst verfasste er zwei Antwortschreiben und bat Escha zusammen mit Hugo Bergmann auszuwählen, ob dasjenige mit Hinweis auf seine damit hoffentlich verbundene Beförderung oder die andere Version abgeschickt werden solle, wobei im zweiten Fall jemand zu finden sei, der dieses Thema im Fakultätsrat anschneiden würde. Doch im Fortgang der Dinge fiel nicht nur die Frage der höheren Einstufung unter den Tisch, sondern es wurde diskutiert, ob der Spezialist für Kabbala überhaupt das Fach jüdische Philosophie vertreten könne. Im Fakultätsrat gab es sogar die Meinung, die Kabbala ganz außen vor zu lassen, was Scholem natürlich empörte – man würde ihm in seiner Abwesenheit sein Fach absprechen, schreibt er Escha, und auch, dass „Frl. Freud“ ihm den „Brandbrief“ seiner Schüler geschickt habe, die sich dagegen zur Wehr setzten. In Italien kommentierte Scholem am 30. Juni den vorläufig letzten Akt des Struktur- und Berufungsverfahrens, nachdem er aus Martin Bubers Brief vom nächsten Termin der Kuratoriumssitzung erfuhr. Er bedauerte, dass er in seinem Antwortschreiben die Erweiterung des Profils der Professur von Kabbala zur „allgemeinen Philosophie ja selbst empfohlen oder in Aussicht gestellt habe“ und sich damit ohne einschlägige Publikationen zu diesem Gebiet aller Chancen beraubte.<xref ref-type="fn" rid="fn86">86</xref> Dieses Kriterium galt natürlich grundsätzlich, und fehlende Monographien waren ein gewichtiges Manko. Da er auf seinem Gebiet aber erst noch Grundlagenforschung betreiben musste – wozu auch die Gesamtschau kabbalistischer Handschriften gehörte – entwarf er zuerst ein Arbeitsprogramm.<xref ref-type="fn" rid="fn87">87</xref> Doch als Überblick konnte er bisher nur seinen im Druck befindlichen Kabbala-Artikel der <italic>Encyclopaedia Judaica</italic> anbieten und als Spezialuntersuchungen zwei Bücher mit Editionen (<italic>Das Buch Bahir</italic> und <italic>Das</italic> <italic>Buch von der Palme</italic>). Dass er immer noch um die Anerkennung seiner kritischen Revision bisheriger Darstellungen zur Kabbala und seines systematischen Neuansatzes zur Methodik und Erschließung der Quellen zu kämpfen hatte, erbitterte ihn:</p>
         <disp-quote>
            <p>Hochstapelei ist in diesem Wissenschaftsbetrieb alles. Hätte ich gegen mein Gewissen gehandelt, und vor ein paar Jahren einen Wälzer geschrieben, der den allgemeinen Titel Kabbala geführt hätte, so wäre ich ja schon längst Professor.<xref ref-type="fn" rid="fn88">88</xref></p>
         </disp-quote>
         <p>Diese zynische Bemerkung über Strategien unredlicher Vorteilsverschaffung im akademischen Konkurrenzkampf zielt auf eine zeitlose intellektuelle Schattenseite. Schon Goethe entfuhr auf seiner italienischen Reise ein ähnlicher Stoßseufzer, freilich nicht als Geschädigter, sondern aus der Perspektive eines verantwortlichen Entscheidungsträgers, als er nämlich in Verona froh feststellte, was ihm als inkognito Reisender alles erspart blieb:</p>
         <disp-quote>
            <p>Ich preise das Glück, in der bürgerlichen Welt nicht bekannt zu sein; denn nun lässt man mich laufen und gewähren, ohne mich durch Teilnahme und Empfehlungen zu binden. Es ist dies ein sonderbarer Gebrauch in der Welt, dass man bei Gelegenheit aufgefordert wird, mittelmäßige Menschen zu fördern, ja sich gleichsam zu ihrem Mitschuldigen zu machen.<xref ref-type="fn" rid="fn89">89</xref></p>
         </disp-quote>
      </sec>
      <sec id="von-florenz-nach-mailand">
         <label>5</label>
         <title>Von Florenz nach Mailand</title>
         <p>Von Florenz aus unternahm Scholem einen Abstecher nach Livorno und identifizierte ein Manuskript mit Hayim Vitals <italic>Sefer Chesyionot</italic> im Besitz des dortigen Rabbiners Alfredo Toaff als Autograph. In Bologna gab es nur eine einzige unbedeutende Kabbala-Handschrift, dafür aber einen „Riesenturm, auf den ich mir hinaufzukommen (trotz der Hitze) nicht versagte“.<xref ref-type="fn" rid="fn90">90</xref> Am 7. Juni arbeitete Scholem von 9 Uhr morgens bis Nachmittag um 17 Uhr rund vierzig Handschriften durch, trotz eines unzulänglichen Katalogs, den er als „Meisterwerk der Ignoranz“ bezeichnete.<xref ref-type="fn" rid="fn91">91</xref> Scholems letzte Stationen in Italien waren dann Parma und Mailand, die ihm noch einmal zu neuen Einsichten in die frühe Kabbala verhalfen. Seine vielsagende Formulierung „der italienische Teig“ liege nun für seine „Geschichte der Kabbala“, die er zu schreiben gedenke, „aufs Allerfruchtbarste“ bereit, knüpft nicht zufällig an den Titel seiner Artikelreihe „Kapitel zur kabbalistischen Literaturgeschichte“ an.<xref ref-type="fn" rid="fn92">92</xref></p>
         <p>Der postalische Austausch der Druckfahnen und Korrekturen im letzten Beitrag einer weiteren Reihe zur Geschichte der frühen Kabbala, der die – von Scholem als „gnostisch“ charakterisierten – Schriften Rabbi Isaak ben Jakob ha-Kohens behandelte,<xref ref-type="fn" rid="fn93">93</xref> wurde allerdings zur Quelle steter Missverständnisse bzw. – aus Scholems Sicht – Nachlässigkeiten seiner Frau und, noch gravierender, des Herausgebers der Zeitschrift <italic>Tarbiz</italic>, Jakob N. Epstein.<xref ref-type="fn" rid="fn94">94</xref> Dass Scholem vor allem zu Isaaks Bruder, Jakob ben Jakob ha-Kohen, „große und wichtige“ Fortschritte vermeldet, dürfte wohl an der Mailänder Handschrift Biblioteca Ambrosiana S 13 sup. liegen.<xref ref-type="fn" rid="fn95">95</xref> Sie enthält eine Reihe von Erklärungen zu kabbalistischen Geheimnissen, die in Carlo Bernheimers im März 1933 publizierten Katalog der Mailänder Handschriften unter Berufung auf Scholem Jakob ha-Kohen zugeschrieben werden. Dazu gehört auch die singulär erhaltene Einleitung zu dessen „Buch des Lichts“ (<italic>Sefer ha-Orah</italic>) – im Manuskript deklariert als „Arkanum des Gottesnamens der 72 Buchstaben“.<xref ref-type="fn" rid="fn96">96</xref> Nach Scholem weist Jakob ha-Kohen auf das literarische Format einer Offenbarungsschrift schon mit der Licht-Metapher im Buchtitel <italic>Sefer ha-Orah</italic> hin, der deshalb in Jakob ha-Kohens Sinne als „Buch der Erleuchtung“ (<italic>Sefer ha-ha’arah</italic> bzw. <italic>Liber illuminationis</italic>) verstanden werden müsse.<xref ref-type="fn" rid="fn97">97</xref></p>
         <p>In Mailand freute sich Scholem besonders über die Sympathie, die ihm der <italic>prefetto della Biblioteca Ambrosiana</italic>, Monsignore Giovanni Galbiati, entgegenbrachte, und triumphierte deshalb scherzhaft gegenüber Escha mit seinen neuen Sprachkenntnissen: „Mein Italienisch hat also gereicht!“ Mit Professor Carlo Bernheimer<xref ref-type="fn" rid="fn98">98</xref> tauschte er sich unter anderem über ein für ihn besonders wertvolles Mailänder Manuskript aus, das 1932 noch in der Ambrosiana unter der Signatur Z 64 sup. zu finden war, bald darauf aber wieder die Signatur MS Vatikan, BAV, ebr. 288 tragen sollte:<xref ref-type="fn" rid="fn99">99</xref> Bibliotheksdirektor Galbiati brachte 1933 genau dieses Manuskript als Geschenk für Papst Pius XI. nach Rom, wo es rund 130 Jahre früher von Napoleon – nach dem Friedensvertrag von Tolentino 1798 – mit anderen Schätzen aus dem Vatikan konfisziert worden war.<xref ref-type="fn" rid="fn100">100</xref></p>
         <p>Was für Scholem nach seiner nächtlichen Abreise aus Italien bleibende Bedeutung haben sollte, waren durchaus auch seine Begegnungen und teilweise neu geschlossenen Freundschaften. Aber den in seinem Ausmaß noch gar nicht zu erkennenden wissenschaftlichen Ertrag machten seine umfangreichen Notizen und Photographien der Handschriften aus, die für die künftige Kabbalaforschung die Weichen stellten. Da sich vor allem in Rom mit den illuminierten Lesesälen der Biblioteca Vaticana geradezu paradiesische Eindrücke verbanden, ließe sich leicht am Ende das Motto, das Goethe seinem Reisetagebuch voranstellte, für Scholem als Fazit festhalten: „Auch ich in Arkadien“ – aber er setzte seine Reise Richtung Deutschland fort.<xref ref-type="fn" rid="fn101">101</xref></p>
      </sec>
      <sec id="epilog">
         <label>6</label>
         <title>Epilog</title>
         <p>Erkennbar häufiger als bei der Reise durch Italien tauchen Namen von Kollegen, ehemaligen und gegenwärtigen Bekannten sowie Familienmitgliedern in Scholems Briefen aus Deutschland und England auf. In München wohnte er im Stadtteil Schwabing, Ainmillerstraße 35.<xref ref-type="fn" rid="fn102">102</xref> Er besuchte Brechts Dreigroschenoper, trank bei seinem Doktorvater Fritz Hommel Kaffee, verabredete sich mit seiner Tante Hedwig und deren Tochter Dina, besuchte Ernst und Edith Scholem,<xref ref-type="fn" rid="fn103">103</xref> die ihn sehr „reizend“ empfingen, und traf in der Straßenbahn den Direktor der Stadtbibliothek, Hans Ludwig Held (1885-1954), mit dem er dann einen angenehmen Abend verbrachte.<xref ref-type="fn" rid="fn104">104</xref> Am 29. Juli kam seine Mutter nach München, und Scholem berichtete bestürzt: „Eine gebrochene Frau, unter uns gesagt. Die Liquidation des Geschäfts hat sie erkennbar im Herzen getroffen, obwohl sie sich nach außen gut hält.“<xref ref-type="fn" rid="fn105">105</xref></p>
         <p>Am 1. August reiste Scholem weiter nach Frankfurt und Heppenheim, um sich mit Martin Buber und Aron Freimann in Sachen Professur zu beraten. Mit Freimanns Kenntnis der Regularien wollten sie akademische „Intrigen“ (vor allem durch Joseph Klausner) formal unterlaufen: allein auf Antrag eines „Judaisten“ im Kuratorium könne die Besetzung zum Ordinarius vorgenommen werden, und über das Profil – in diesem Fall die Erweiterung der Lehrtätigkeit – entscheide nur Magnes, der passenderweise gerade ebenfalls in Heppenheim war. Als Gutachter wurde der Religionswissenschaftler Rudolph Otto (1869-1937) in Betracht gezogen, da er eine hohe Meinung von Scholem habe. Außerdem wollte sich Buber beim Verleger Salman Schocken (1877-1959), sobald er mit diesem in Marienbad zusammenkäme, für Scholems Pläne einsetzen, je ein Buch zur Entstehung und zur „Theologie“ der Kabbala sowie zum Sohar zu publizieren.<xref ref-type="fn" rid="fn106">106</xref></p>
         <p>Kurz vor seiner Abreise nach England unterhielt sich Scholem noch zweimal lange mit Edith Rosenzweig, traf sich mit Benjamins Freund Ernst Schoen und bekam Gelegenheit, vor „ausgesuchten“ Zionisten einen Abendvortrag über die „‚Araber‘-Politik“ des <italic>Brit Shalom</italic> zu halten.<xref ref-type="fn" rid="fn107">107</xref> Über London erreichte Scholem dann Cambridge, wo ihm noch einmal eine große Entdeckung gelang: „Der große Hauptfund hier ist – hört hört – die einzige bisher bekannte Soharhs. aus dem 14. Jh. und diese wichtige Hs. muß ich ja doch photographieren lassen, denn einen Text von solcher Bedeutung muß ich genau durcharbeiten können.“<xref ref-type="fn" rid="fn108">108</xref> In Cambridge kaufte Scholem „zu Spottpreisen“ Bücher zu christlicher Theologie und verkündete Escha, dass sein offener Brief an Hans-Joachim Schoeps (1909-1980) noch im August erscheinen solle.<xref ref-type="fn" rid="fn109">109</xref> Er hatte dessen Buch <italic>Jüdischer Glaube in dieser Zeit. Prolegomena zur Grundlegung einer systematischen Theologie des Judentums</italic>, Berlin 1932, bereits in Parma zu lesen begonnen. Scholems Kritik war nicht nur aufgrund des gewählten Brief-Genres formal persönlich gehalten, sondern durchaus auch so gemeint, wie sich seiner Bemerkung gegenüber Escha entnehmen lässt: „Der Mann verquickt einige richtige Ideen mit blödestem jüdischen Konfessionalismus, auch wieder so ein metaphysischer Antizionist, eine Marke, die ich ehrlich nicht mag, wie du weißt.“<xref ref-type="fn" rid="fn110">110</xref></p>
         <p>Aus London schickte Scholem dann am 19. September einen Brief mit vorläufiger Zusage an Magnes nach Jerusalem ab, nachdem ihn einige Nachrichten beunruhigt hatten, etwa über eine Kuratoriumssitzung,<xref ref-type="fn" rid="fn111">111</xref> bei der zwar seine Professur nicht verhandelt wurde, Magnes sich aber für eine generelle Aussetzung von Beförderungen für das laufende Jahr (1932) ausgesprochen habe. Scholem rechnete immerhin damit, dass Magnes seinen Vorschlag der Erweiterung der Lehrtätigkeit mit Religionsgeschichte aufgreife – auch mit dem Hintergedanken, dass externe Gutachter mit dieser Fachbezeichnung mehr anfangen konnten („jeder Goi wird mich natürlich gerade dafür empfehlen, wenn man ihn fragt“)<xref ref-type="fn" rid="fn112">112</xref> als mit Kabbala. Magnes habe dagegen eine andere, neue Bezeichnung vorgeschwebt: „Er produzierte mir sogar einen Namen für mein endgültiges Fach der ihm nebbich sehr zu gefallen schien – jüdische Theologie!!!! Du begreifst, daß ich protestierte.“<xref ref-type="fn" rid="fn113">113</xref> Tatsächlich schien sich eine Übergangslösung für einen Zeitraum von fünf Jahren abzuzeichnen, wonach Scholem „eine Professur bekäme für Kabb[ala] = jüd. Rel[igionsgeschichte], und nur der vorübergehenden Verpflichtung zu Philosophie.“ Die Gutachten seien sehr zufriedenstellend ausgefallen, wie Magnes in einem Brief am 27. August mitteilte – am gleichen Tag noch übermittelte Scholem Benjamin die frohe Nachricht<xref ref-type="fn" rid="fn114">114</xref> – auch wenn Klausner unbedingt speziell Julius Guttmanns Gutachten negativ interpretieren wollte. Scholem stimmte in seinem Antwortschreiben an Magnes – der ihn gebeten hatte, bereits im folgenden Jahr auch Philosophie zu unterrichten – der provisorischen Übernahme der jüdischen Philosophie in der Lehre zu, aber nur unter der Voraussetzung, dass Magnes’ Interpretation richtig und Guttmanns Gutachten wirklich positiv ausgefallen sei und ohne dass damit faktisch eine einzige feste Professur zur Abdeckung beider Gebiete eingerichtet würde. So sollte es schließlich kommen – auch wenn sich die offizielle Entscheidung noch ein weiteres Jahr hinzog – und Scholem gewann dieser praktischen Erweiterung insofern Sympathie ab, als er sie als Garantie für eigene Grenzziehung, was zur Kabbala gehöre, ansah. In seinem Dank an Magnes für die Berufung als Professor <italic>ad personam</italic> gab er seiner Freude darüber Ausdruck, dass die Formulierung des Ernennungsschreibens zum Professor für jüdische Mystik ein breites Spektrum in der Lehre zulasse, so dass er „künftig nach niemandes Meinung mehr fragen müsse, wenn er auf die Idee käme, bestimmte Kurse den Problemata jüdischer Religionsgeschichte in der Diaspora zu widmen.“<xref ref-type="fn" rid="fn115">115</xref> Nachdem Professor Scholem selbst Mitglied im Kuratorium geworden war, tat er das seine, damit Julius Guttmann und Martin Buber als Professoren auf neu eingerichtete Lehrstühle für Philosophie und Religionswissenschaft berufen wurden, so dass er endgültig freie Hand für Forschung und Lehre im Fach Kabbala bekam.<xref ref-type="fn" rid="fn116">116</xref></p>
         <p>Nach Scholems bereichernden Begegnungen in England – er folgte u. a. einer Einladung von Cecil Roth (1899-1970), durfte die Bibliothek von Elkan Adler (1861-1946) benutzen und führte Gespräche mit dem betagten Moses Gaster (1856-1939), dem Religionshistoriker Adolf Büchler (1867-1939) und dem Theologieprofessor Francis Crawford Burkitt (1864-1935)<xref ref-type="fn" rid="fn117">117</xref> – besuchte er die Familie seiner Frau in Hamburg und wohnte dann in Berlin „bei Onkel Theo in Friedenau“, um nicht ständig mit den familiären Spannungen, insbesondere mit seinem Bruder Erich, konfrontiert zu werden.<xref ref-type="fn" rid="fn118">118</xref> Er beschloss, die optional in Betracht gezogenen weiteren Stationen Wien und Budapest zu streichen und nahm sich Zeit für die Erbschaftsfragen, die fast zum Bruch mit seinen Brüdern führte, packte Bücherkisten – unter anderem mit Goethe<xref ref-type="fn" rid="fn119">119</xref> – sowie Teppiche und Hausrat, den ihm seine Mutter anbot, und erzählte Escha von gemeinsamen Bekannten. Von Dora Benjamin hörte er „die Geschichte der Scheidung“, hoffte offenbar, Walter Benjamin doch noch in Berlin zu sehen,<xref ref-type="fn" rid="fn120">120</xref> und traf „in durchaus harmonischen Formen“ mit George Lichtheim zusammen.<xref ref-type="fn" rid="fn121">121</xref></p>
         <p>Über die näheren Umstände der in dieser Zeit allmählich dramatischer werdenden Situation für jüdisches Leben in Deutschland bekommt man in Scholems Briefen aus Berlin den deutlichsten Hinweis in einer kleinen Randnotiz. Er kaufte die Tickets für seine Rückreise über München und Rom – wo er sich von Loni verabschieden wollte – nach Neapel, um dort wieder einen Dampfer nach Port Said – wo er übrigens sieben Jahre später seine Mutter zum letzten Mal sehen sollte – zu nehmen, auch wenn die Zollkontrolle dort finanzielle Risiken barg. Diese Reiseroute hatte einen besonderen Grund: „Ich konnte nicht direkt nach Jaffa fahren: die billigen Plätze sind schon alle ausverkauft, es ist große Alija.“<xref ref-type="fn" rid="fn122">122</xref></p>
         <p>Die einsetzende Massenflucht aus Deutschland ins britische Palästina spiegelt die verzweifelte Lage, in der sich deutsche Jüdinnen und Juden de facto schon im September 1932 befanden. Die Auswirkungen auf die akademische Landschaft in Jerusalem sollten noch lange Thema in Scholems künftigen Korrespondenzen bleiben. Tatsächlich war ja auch Benjamin existentiell betroffen, der Scholem schon im Juli 1931 geschrieben hatte, für den „Entschluß nach Palästina überzusiedeln […] wäre der richtige Augenblick“. Knapp ein Jahr später hatten sich Benjamins Verhältnisse noch verschlimmert. Auf den Inhalt von Scholems Briefen an ihn im Jahr 1932 lässt sich nur aus Andeutungen in Benjamins Antworten und vereinzelten Bemerkungen in Scholems Korrespondenz mit Escha schließen.<xref ref-type="fn" rid="fn123">123</xref> Escha hat wohl ebenfalls an Benjamin geschrieben, aber auch diese Post blieb bisher unauffindbar und lässt sich nicht mehr rekonstruieren.<xref ref-type="fn" rid="fn124">124</xref> Die vielen Verluste schriftlicher Aufzeichnungen machen die erhaltene Korrespondenz des Jahres 1932 umso wertvoller; für Scholems wissenschaftliche und private Biographie eröffnet sie jedenfalls oft überraschende Einblicke.<xref ref-type="fn" rid="fn125">125</xref> Eine mindestens genauso wichtige Aufgabe wäre allerdings die noch ausstehende Erschließung des umfangreichen Archivmaterials zu Escha Burchhardt.<xref ref-type="fn" rid="fn126">126</xref></p>
      </sec>
   </body>
   <back>
      <fn-group>
         <fn id="fn1">
            <p>Zu Scholems (intellektueller) Biographie in den Jahren nach seiner Aliyah und im Anschluss an seine Autobiographie <italic>Von Berlin nach Jerusalem</italic> vgl. Engel, <italic>Gershom Scholem</italic>; Zadoff, <italic>Gershom Scholem</italic>; Biale, <italic>Gershom Scholem</italic>. Welche Lücke bezüglich des Jahres 1932 in diesen Biographien klafft, zeigen beispielsweise die rudimentären Angaben bei Biale, <italic>Gershom Scholem</italic>, 107 und 108 („From Rome, he traveled to Berlin“).</p>
         </fn>
         <fn id="fn2">
            <p>Scholem und Joel, <italic>Catalogus</italic>.</p>
         </fn>
         <fn id="fn3">
            <p>Zur Bedeutung der hebräischen Handschriften italienischer Provenienz vgl. Perani, „Italia ‚Paniere‘“.</p>
         </fn>
         <fn id="fn4">
            <p>Scholems Bestreben, sein Kafka-Verständnis mit seiner „Intention des Zionismus“ zu verbinden, sowie die sich daraus ergebenden Konsequenzen für seine wissenschaftliche Produktion werden vor allem aus seinem Briefwechsel mit Walter Benjamin deutlich, vgl. Scholem, <italic>Walter Benjamin</italic>, 210–218 (mit Brief an Walter Benjamin vom 1. August 1931). Zu Scholems nicht systematisch ausgearbeiteter Kafka-Interpretation vgl. Mosès, <italic>Der Engel</italic>, 185–214.</p>
         </fn>
         <fn id="fn5">
            <p>Goethe, <italic>Italienische Reise</italic>; sowie Tischbein, <italic>Aus meinem Leben</italic>, 130–150.</p>
         </fn>
         <fn id="fn6">
            <p>Goethe, <italic>Faust</italic>, 379 (<italic>Der Tragödie zweiter Teil</italic>).</p>
         </fn>
         <fn id="fn7">
            <p>Bis zur offiziellen Titelverleihung verging allerdings ein weiteres Jahr; vgl. Scholems Brief an Benjamin vom 19. September 1933: „ich bin nun im August (habe es aber erst jetzt erfahren) zum Professor für jüd. Mystik eventll. auch jüdische Religionsgeschichte ernannt worden, Du kannst also gratulieren. Geld bedeutet das freilich nicht, da bleibt alles unverändert“ (Scholem, <italic>Walter Benjamin, Gershom Scholem,</italic> 103). Um die inhaltliche Beschreibung der Professur wurde lange gerungen, zum Ergebnis vgl. Scholems Brief an Judah Leon Magnes vom 22.10.1933 (siehe unten, Anm. 115).</p>
         </fn>
         <fn id="fn8">
            <p>Das war am 27. Juli, zwölf Tage nach seinem vierzigsten Geburtstag. Benjamin, <italic>Gesammelte Briefe,</italic>121-122; Scholem, <italic>Walter Benjamin</italic>, 225–241. Zu dem ursprünglich geplanten gemeinsamen Treffen – z. B. hoffte Benjamin im April 1932, „daß wir uns irgendwo zwischen Turin und Nizza oder auch in Turin selbst etwa im Juni Rendezvous geben“ (Benjamin, <italic>Gesammelte Briefe</italic>, 85).</p>
         </fn>
         <fn id="fn9">
            <p>Scholem, <italic>Walter Benjamin, Gershom Scholem,</italic> 22–23; Benjamin, <italic>Gesammelte Briefe</italic>, 130–131.</p>
         </fn>
         <fn id="fn10">
            <p>Scholem bekam am 14.10.1925 die Einladung als Dozent für „Kabbala“ (<italic>martseh le-‚qabbalah‘</italic> [Anführungszeichen im Original]) zu unterrichten (unterschrieben vom Dekan, Leo Kohn); dieses offizielle Schreiben der Hebräischen Universität ist abgebildet in Cohn und Plessner, <italic>Gershom Scholem (1987-1982),</italic> 22, no. 52 (hebräischer Teil).</p>
         </fn>
         <fn id="fn11">
            <p>Vgl. Weiss, <italic>Rethinking</italic>, 13-41.</p>
         </fn>
         <fn id="fn12">
            <p>Zu den verschiedenen Facetten von Scholems Stil vgl. Weidner, <italic>Gershom Scholem</italic>. Absichtsvoll und explizit finden sich kabbalistische Konnotationen z. B. in Scholem, „Zehn unhistorische Sätze über Kabbala“. Vgl. auch Biale, <italic>Gershom Scholem</italic>, 129 (Scholems in den 1930er Jahren geschriebene Charakterisierung des polnischen Sektengründers Jakob Frank reflektiere die sehr viel dämonischeren Züge eines anderen Führers in der Gegenwart).</p>
         </fn>
         <fn id="fn13">
            <p>Vgl. z. B. im Folgenden den Ausdruck „Hitlerfratzen“ oder die hintergründige Ironie zur Mussolini-Rede („ein großer Schauspieler“); um einen repräsentativen Einblick zu geben, inkorporiere ich zahlreiche Zitate aus den deutschen Briefen – die, wie gesagt, noch nicht publiziert und wegen Scholems Kurrentschrift auch nicht leicht entzifferbar sind (vgl. Abb. 2).</p>
         </fn>
         <fn id="fn14">
            <p>Vgl. Biale, <italic>Gershom Scholem</italic>, 57-60, 62, 68, 82, 84; 96, 119-122. Eine Monographie zu Escha Burchhardt ist ein Desiderat der Forschung und wäre auch die beste Perspektive, die Beziehung zu Gershom Scholem unter Auswertung des gesamten Archivmaterials über Escha Burchhardt neu zu beleuchten.</p>
         </fn>
         <fn id="fn15">
            <p>Zu Bergmann siehe unten Anm. 28.</p>
         </fn>
         <fn id="fn16">
            <p>Campanini, „A Case for Sainte-Beuve“. Skeptischer zu bewerten ist David Biales Versuch, Scholems Verliebtheit in Kitty Steinschneider während der 1930er Jahre mit dessen Bewertung von Jakob Franks sexueller Freizügigkeit in Verbindung zu bringen, vgl. Biale, Gershom Scholem: The Private Life of an Intellectual.</p>
         </fn>
         <fn id="fn17">
            <p>Diese Thematik stellte Saverio Campanini am 29. Juli 2025 im Rahmen der Vortragsreihe Gershom-Scholem-Lecture unter dem Titel „Wenn Dich von hier tut der Angelus vertreiben“ im Historischen Kolleg in München vor.</p>
         </fn>
         <fn id="fn18">
            <p>Vgl. z. B. zu Scholems Entdeckung (in MS Vatikan, BAV, ebr. 202, fol. 59r–60r) eines Briefs des ersten namentlich bekannten Kabbalisten, Isaak der Blinde, in einer Handschrift der Bibliotheca Apostolica Vaticana die Bemerkung „it was discovered by Gershom Scholem in 1934“ (Bar-Asher, „Isaac the Blind’s Letter“, 414; vgl. dazu unten, Anm. 65 und 67).</p>
         </fn>
         <fn id="fn19">
            <p>Kein einziger Brief von 1932 findet sich in Shedletzky, <italic>Gershom Scholem, Briefe</italic>. Aus dem Briefwechsel mit seiner Mutter stammen sieben Briefe von Betty Scholem, davon zwei vor Scholems Reiseantritt, zwei an Scholem in Europa (Italien) und drei nach seiner Rückkehr; von Gershom Scholem datiert einer vom Januar, drei wurden während der Reise (Italien) geschrieben und einer im Dezember. Der Briefwechsel mit Benjamin enthält Benjamins sechzehn Briefe (teilweise Ansichtskarten), davon datieren zwei nach Scholems Rückkehr nach Jerusalem und einer von Ende Februar, also vor Reisebeginn. Scholems Briefe an Benjamin aus dieser Zeit sind offenbar verloren, darunter auch der von Benjamin anlässlich seiner Glückwünsche erwähnte Brief vom 27. August 1932.</p>
         </fn>
         <fn id="fn20">
            <p>Alle Zitate (in Scholems Orthographie und Interpunktion; Unterstreichungen sowie hebräisch geschriebene Wörter werden kursiv wiedergegeben) und Angaben (zu „Brief vom [Datum]“) beziehen sich auf die Quelle „G. Scholem an Escha aus Deutschland, Italien, England 1932“ in der Scholem-Collection der Hebräischen Nationalbibliothek Jerusalem: Arc. 4°1599013099 (enthält keine Briefe von Escha an Gershom Scholem). Außerdem wird ein Brieffragment aus dem Briefwechsel mit Umberto Cassuto zitiert und ausgewertet (vgl. unten, Anm. 76, 78 und 81), sowie ein Schreiben an Scholem vom Dekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultät, das Scholem mit eigenen Bemerkungen an Escha schickte und deshalb in den gleichen Archivordner aufgenommen wurde (siehe unten, Anm. 85).</p>
         </fn>
         <fn id="fn21">
            <p>Vgl. Engelhardt, <italic>Arsenale</italic>, 95–97 und 254–258.</p>
         </fn>
         <fn id="fn22">
            <p>Im Brief vom 29. Mai schreibt er: „Ich habe die Korrekturen des Artikels ‚Kabbala‘ erhalten und schon gelesen und z. T. ergänzt: 90 Spalten!! Er hat in der Tat nur wenig gekürzt!!“ Siehe auch unten, Anm. 66.</p>
         </fn>
         <fn id="fn23">
            <p>Benjamin, <italic>Gesammelte Briefe</italic>, 158.</p>
         </fn>
         <fn id="fn24">
            <p>Siehe die im Namenregister in Shedletzky, <italic>Gershom Scholem, Briefe</italic> angegebenen Stellen zu „Burchhardt, Escha“.</p>
         </fn>
         <fn id="fn25">
            <p>Vgl. Rees, „Ein Dichter“, 24–25 (mit Bezug auf unveröffentlichte Briefe). Rees, Zwischen Berlin und Jerusalem, 79–98; vgl. auch 101 den Hinweis auf einen Brief von Scholems Doktorvater Fritz Hommel – den Scholem 1932 in München wiedersah, siehe unten – an den Rektor der Münchner Universität im August 1934, mit auffälliger Sympathie für den Nationalsozialismus.</p>
         </fn>
         <fn id="fn26">
            <p>Zum Abschluss der Promotion am 22.3.1922 (mit <italic>Summa cum laude</italic> im Hauptfach Semitistik sowie in den Nebenfächern Philosophie und Mathematik), vgl. Rees, „Fritz Hommels Gutachten“.</p>
         </fn>
         <fn id="fn27">
            <p>Scholem benutzte während seiner Reise meist mitgebrachtes Briefpapier mit dieser aufgedruckten Adresse „Dr. G. Scholem, Jerusalem, Abyssinian-Road 139“.</p>
         </fn>
         <fn id="fn28">
            <p>Zu Bergmann vgl. die Bibliographie in Glöckner, Huss und Zoufalá, <italic>Shmuel Hugo Bergmann</italic>.</p>
         </fn>
         <fn id="fn29">
            <p>Auch für Hugo Bergmann war in dieser Zeit schon eine Professur im Gespräch, wie gelegentlich in der Korrespondenz anklingt; sie wurde ihm allerdings erst 1935 verliehen. Ein weiterer enger Freund Scholems, Ernst Aqiva Simon (1899-1988), der 1928 eingewandert war und zunächst in Haifa unterrichtete, übernahm 1950 eine Professur für Philosophie und Pädagogik an der Hebräischen Universität. Beide gehörten wie Scholem zum <italic>Brit Shalom</italic> (vgl. unten, Anm. 108).</p>
         </fn>
         <fn id="fn30">
            <p>Brief vom 29. Mai.</p>
         </fn>
         <fn id="fn31">
            <p>Ein herausragendes Beispiel ist seine undatierte Ansichtskarte, die am 8. Juli 1932 in Parma gestempelt wurde (diese und vier weitere der insgesamt sechs Postkarten kaufte Scholem in Rom – die sechste am 16. August in Cambridge – aber er schrieb und schickte sie erst aus Parma [7., 16., 20. und 29. Juni] wie Bildmotive und Stempel zeigen): seine Enttäuschung über ausbleibende Nachrichten von Escha zum Stand des Professurverfahrens kulminieren dort in der Aussage, dass er unter diesen Umständen auch ganz auf die Korrespondenz mit Escha verzichten könne (die Karte endet grußlos mit „Gerhard“).</p>
         </fn>
         <fn id="fn32">
            <p>In Eschas Briefen wird Gershom Scholem unter anderem mit „Liebster Fasan“ angeredet; siehe Djerassi, <italic>Vier Juden auf dem Parnass</italic>, 48.</p>
         </fn>
         <fn id="fn33">
            <p>Gelegentlich auch „gutes Kind“; möglicherweise verbirgt sich dahinter ein familiärer Sprachwitz, da Betty Scholem Gerhard und Escha zusammen als „meine lieben Kinder“ bezeichnete; aber in der Weimarer Zeit gehörte die kollektive Anrede „Kinder“ unter jungen Erwachsenen zum familiären oder jovialen Umgangston, der Singular kommt (gern mit einem Adjektiv wie gut oder lieb) besonders für junge Frauen in Filmen der 30er Jahre vor, meist patronisierend-fürsorglich (<italic>Mädchen in Uniform</italic> von 1931) oder neckisch (<italic>Viktor und Viktoria</italic> von 1933). Scholem bezeichnet auch seine damalige Studentin (und spätere zweite Frau) Fanja Freud, die in den Briefen an Escha mehrmals vorkommt (und von der er auch Briefe bekam, z. B. über Kafka, siehe Brief vom 1. Mai), als „gutes Kind“ (Brief vom 9. Juli).</p>
         </fn>
         <fn id="fn34">
            <p>Auch im Brief vom 22. März aus Rom an seine Mutter erwähnt er, dass ihm „eine Plombe aus der Schnauze“ gefallen sei und teure Zahnarztkosten verursacht habe, Schedletzky, <italic>Betty Scholem</italic>, 261.</p>
         </fn>
         <fn id="fn35">
            <p>Scholem, <italic>Von Berlin nach Jerusalem</italic>, 229.</p>
         </fn>
         <fn id="fn36">
            <p>Vgl. Häntzschel, „Hitler bei Betrachtung von Goethes Schädel“.</p>
         </fn>
         <fn id="fn37">
            <p>Benjamin, <italic>Gesammelte Briefe</italic>, 78, beklagte, dass seltener Sachverstand zu Goethe (wie seiner) ignoriert würde; allerdings bekam er doch noch eine Publikations- und damit Verdienstmöglichkeit (79 und 83).</p>
         </fn>
         <fn id="fn38">
            <p>Die Ausgabe erschien unter dem Titel <italic>Viaggio in Italia</italic>, herausgegeben vom Arturo Farinelli (Reale Accademia D’Italia, 1932).</p>
         </fn>
         <fn id="fn39">
            <p>Sein Festvortrag in der Preußischen Akademie der Künste in Berlin wurde live im Rundfunk übertragen und sofort publiziert: Mann, <italic>Goethe als Repräsentant des bürgerlichen Zeitalters</italic>.</p>
         </fn>
         <fn id="fn40">
            <p>Schedletzky, <italic>Betty Scholem</italic>, 259; Goethe, <italic>Faust</italic>, 93 (Der Tragödie Erster Teil).</p>
         </fn>
         <fn id="fn41">
            <p>Das Sprichwort diente Goethe als Ausdruck höchster Freude bei der Beschreibung des Panoramas im Golf von Neapel, vgl. Goethe, <italic>Italienische Reise</italic>, 241 (Eintrag vom 2. März 1787). Scholem schrieb seinen ersten Brief aus Rom in zwei Teilen am 3. und 4. April 1932.</p>
         </fn>
         <fn id="fn42">
            <p>Scholem seinerseits quittierte solche Ausfälle, etwa wenn Escha aufgebracht war und sich ihr Ärger sogar gegen ihn richtete, nicht ohne Humor, etwa im Brief vom 14. Juli: „Zorn steht uns beiden gut, dabei atmet man dann besser. Also sei wieder sanft!“</p>
         </fn>
         <fn id="fn43">
            <p>Brief vom Sonntag, 3. April.</p>
         </fn>
         <fn id="fn44">
            <p>Fortsetzung des ersten Briefes aus Rom am Montag, den 4. April. Auch in Florenz berichtet er noch einmal vom religiösen Leben: in der Synagoge herrsche, wie in Rom, „altorthodoxer Ritus, aber mit Orgel!“ (Brief vom 29. Mai).</p>
         </fn>
         <fn id="fn45">
            <p>Henry Ernest Stapleton (1878-1962), ab 1900 Professor für Chemie im britisch-indischen Calcutta, publizierte zur Wissenschaftsgeschichte der (Al-)Chemie in der mittelalterlichen islamischen Welt.</p>
         </fn>
         <fn id="fn46">
            <p>Leonie Ortenstein war die Nichte von Betty Scholem, siehe Scholem, <italic>Von Berlin nach Jerusalem</italic>, 22 (erste gemeinsame Kinobesuche mit Loni, u. a. Charly Chaplin), 33 und 126–128 (gemeinsame Ausflüge mit Escha).</p>
         </fn>
         <fn id="fn47">
            <p>In der Via Marcello Prestinari 13. Scholem war weder mit der Ausstattung noch mit dem (zu hohen) Preis zufrieden, wollte aber Loni zuliebe nichts kritisieren.</p>
         </fn>
         <fn id="fn48">
            <p>Zeitgleich schreibt er seiner Mutter (Shedletzky, <italic>Betty Scholem</italic>, 261) „wenn ich nicht muß, will ich mir keinen kaufen“, und ob sie nicht einen habe, den sie ihm für die nächsten Monate borgen könne. Mit der Erfindung der Gleichzugfeder wurde von Friedrich Soennecken auch die Rundschrift, eine Vorläuferin heutiger deutscher Schreibschrift entwickelt. Scholems Briefe sind in einer eigenwilligen Kurrentschrift gehalten, für schlechte Lesbarkeit entschuldigt er sich sogar bei Escha, allerdings nur im drittletzten seiner Briefe („Verzeihe die Schrift“, Brief vom 16. September aus Berlin).</p>
         </fn>
         <fn id="fn49">
            <p>Brief vom 3. April.</p>
         </fn>
         <fn id="fn50">
            <p>Auf die Aufführung von Händels Oratorium „Israel in Ägypten“ bezieht sich wohl u. a. Claar,„Musikleben – Konzert“, 857: „Rom: Den Abschluß der Konzertsaison bildeten die Konzerte der Berliner Singakademie und der Philharmoniker unter Furtwängler. Über Programm und Qualität der Darbietungen braucht in Deutschland nicht berichtet zu werden. Dagegen ist ein Wort über den Erfolg zu sagen. Er war außerordentlich. Bei der Singakademie bewunderte man vor allem die künstlerische und technische Disziplin.“ Ins Konzert der Philharmoniker (Beethovens fünfte Sinfonie) ging Scholem mit Loni am 8. Mai (Brief vom 9. Mai).</p>
         </fn>
         <fn id="fn51">
            <p>Vgl. Prov 15,23 („ein Wort zur rechten Zeit“); Brief vom 17. April.</p>
         </fn>
         <fn id="fn52">
            <p>Briefe vom 24. April und 1. Mai. Davon berichtet er auch seiner Mutter (Shedletzky, <italic>Betty Scholem</italic>, 267).</p>
         </fn>
         <fn id="fn53">
            <p>Brief vom 28. März.</p>
         </fn>
         <fn id="fn54">
            <p>Brief vom 28. März.</p>
         </fn>
         <fn id="fn55">
            <p>Brief vom 24. April.</p>
         </fn>
         <fn id="fn56">
            <p>Brief vom 17. April. Der Vortrag über Kabbala am Freitagabend, 15. April 1932, stieß offenbar auf reges Interesse bei den ca. 25 Zuhörern.</p>
         </fn>
         <fn id="fn57">
            <p>Vgl. Briefe vom 21. März und 28. März. Offenbar der „Priester“, von dem Scholem auch im Brief vom 22. März an seine Mutter (Shedletzky, <italic>Betty Scholem</italic>, 262) spricht.</p>
         </fn>
         <fn id="fn58">
            <p>Brief vom 3. April. Judah Leon Magnes (1877-1948) war von 1925 bis 1935 erster Kanzler (danach Präsident) der Hebräischen Universität. Monsignore Eugène Tisserant (1884-1972) war ab 1930 Pro-Präfekt (ab 1936 Präfekt und Kardinal) der Biblioteca Apostolica Vaticana. Er hatte unter anderem in Jerusalem studiert und sprach neben zahlreichen anderen Sprachen offenbar auch Hebräisch. 2021 wurde er posthum von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt.</p>
         </fn>
         <fn id="fn59">
            <p>Brief vom 24. April; eine kleine pejorative Bemerkung zu Aron Freimanns Katalogisierung hebräischer Handschriften im Vatikan konnte Scholem bei dieser Gelegenheit nicht unterdrücken: „Über Freimanns Arbeit, unter uns gesagt, bekomme ich hier meine eigenen Gedanken“.</p>
         </fn>
         <fn id="fn60">
            <p>Scholem sollte Della Vida zum ersten Mal am Sonntag, den 17. April, treffen, wie er an diesem Tag am Vormittag schreibt.</p>
         </fn>
         <fn id="fn61">
            <p>Zu Serenis beeindruckender Lebensgeschichte vgl. Bondy, <italic>The Emissary: a life of Enzo Sereni.</italic></p>
         </fn>
         <fn id="fn62">
            <p>Brief vom 24. April.</p>
         </fn>
         <fn id="fn63">
            <p>Brief vom 17. April 1932. Es handelt sich um MS Vatikan, BAV, ebr. 441; vgl. Scholem und Joel, <italic>Catalogus</italic>, 1–2 (no. 1, MS Jerusalem, NLI, Hebr. 8° 91, fol. 1a-62b). Die Handschrift ist trotz Scholems Optimismus wohl doch nicht ganz „vollständig“ (ich danke Prof. Jeremy Brown für diese Einschätzung); zum Umfang dieser und anderer Textzeugen vgl. Richler, <italic>Hebrew Manuscripts in the Vatican Library</italic>, 129 (Vat. ebr. 185), 228–229 (Vat. ebr. 294), 387–388 (Vat. ebr. 441; “this is the only complete copy of this work”). Zum Vergleich mit Azriels <italic>Perush ha-Aggadot</italic> (mit Adaption von Ezras Kommentar) vgl. Tishby, <italic>Commentary on Talmudic Aggadoth.</italic></p>
         </fn>
         <fn id="fn64">
            <p>Vgl. Scholems Brief an seine Mutter vom 19. April 1932 (Shedletzky, <italic>Betty Scholem</italic>, 264): “Morgen Abend mache ich Seder-Abend mit der Halbjüdin Loni und einer Ganzjüdin aus dem großen Antiquariat von Olschki, also sehr bescheiden, denn Juden, die so etwas halten, kenne ich hier nicht.“</p>
         </fn>
         <fn id="fn65">
            <p>Scholem publizierte den Brief in seinem Aufsatz „A New Document“. Zum erweiterten Nachdruck vgl. Scholem, <italic>Studies in Kabbalah</italic>, 7-25. Am 19. September 1933 berichtete Scholem Benjamin von den Freuden seiner Arbeit an diesem Aufsatz im Kontext seiner Berufung zum Professor (s. oben Anm. 7), die er scherzhaft als Folge seiner „scharfen Interpretation“ dieses Textes für seinen Beitrag zur Bialik-Festschrift beschreibt.</p>
         </fn>
         <fn id="fn66">
            <p><italic>Encyclopaedia Judaica</italic>, Bd. 9, Sp. 650. Einen weiteren Fund fügte er in Sp. 657 ein: „Ibn Wakars Werk, das einzige große Buch der K. [Kabbala] in arabischer Sprache, hat sich im Original in Hs. Vatic. 203 erhalten.“ An Escha schrieb er, sie müsse David Hartwig (Zvi) Baneth (dem Spezialisten für islamische Philosophie) „erzählen, daß ich in der Vaticana das einzige erhaltene vollständige Exemplar des einzigen großen Kabbalistischen Werkes in arabischer Sprache (aus dem 14. Jht.) gefunden habe, und daß es mir leid tut, es nicht mitbringen zu können“ (Brief vom 24. April). Die arabische Handschrift wurde zusammen mit den mittelalterlichen hebräischen Übersetzungen ediert in Fenton, <italic>Rabbi Joseph b. Abraham Ibn Waqar.</italic></p>
         </fn>
         <fn id="fn67">
            <p>Scholem, <italic>Ursprung und Anfänge</italic>, 2. Zur aktuellen Forschung vgl. Bar-Asher. „Isaac the Blind’s Letter“; Weiss, “The letter of Isaac the Blind”; Weiss, “David Kimchi”; Weiss, <italic>Rethinking</italic>.</p>
         </fn>
         <fn id="fn68">
            <p>Das römische Fotoatelier von Pompeo Sansaini, das sein Sohn ab 1933 („Fotografia Artistica R. Sansaini“) weiterführte, war auf die Zusammenarbeit mit Bibliotheken und Museen spezialisiert. Scholem spricht von „ca. 120 Blatt“ die er allein in Rom bei „Sansaini“ bestellte (Brief vom 24. April).</p>
         </fn>
         <fn id="fn69">
            <p>Benjamin, <italic>Gesammelte Briefe</italic>, 113. Mit der Sammlung des Institute of Microfilmed Hebrew Manuscripts (IMHM) der Nationalbibliothek in Jerusalem, die inzwischen als weitgehend digitalisierte Datenbank der internationalen Forschung zugänglich ist, wurde auch der Plan eines Archivs kabbalistischer Handschriften verwirklicht.</p>
         </fn>
         <fn id="fn70">
            <p>Brief vom 24.12.1933 (Scholem, <italic>Walter Benjamin</italic>, 117 und 118, Fn. 2). Zu Scholems ersten Analysen der betreffenden Handschrift, MS Rom, Biblioteca Angelica, Or. 46 (im Briefwechsel mit Escha findet sich kein Hinweis auf einen Aufenthalt in dieser Bibliothek), sowie deren Edition zusammen mit anderen relevanten Handschriften (besonders MS Mailand, Biblioteca Ambrosiana &amp; 31 Sup. [Katalog Bernheimer no. 57]; auch für diese Handschrift gibt er weder während der Zeit seiner Recherche in der Ambrosiana noch in seiner 1933 veröffentlichten Rezension zu Carlo Bernheimers Katalog einen Hinweis auf die darin verborgene „Sensation“) vgl. Scholem, <italic>Reshit ha-Qabbala</italic>, 41–44 und 195–238 (Appendix I).</p>
         </fn>
         <fn id="fn71">
            <p>Vgl. Scholem, <italic>Ursprung und Anfänge</italic>, 94-109.</p>
         </fn>
         <fn id="fn72">
            <p>Zur Gegenposition siehe Bar-Asher, „Lab-Grown Historiography”; Bar-Asher, „The Bahir”; Bar-Asher, „The Bahir and Its Historiography”.</p>
         </fn>
         <fn id="fn73">
            <p>Vgl. den Brief vom 1. Mai 1932 in Shedletzky, <italic>Betty Scholem</italic>, 266.</p>
         </fn>
         <fn id="fn74">
            <p>Brief vom 16. Mai 1932 (in der „Albergo ‚Il Marzocco’”).</p>
         </fn>
         <fn id="fn75">
            <p>Scholem macht hier die Einschränkung, dass der Film „anscheinend“ in Rom „nicht gezeigt werden“ dürfe, wobei unklar ist, wie er zu dieser Information kam. Unter den veröffentlichten und immer noch zugänglichen Filmen ist diese halbstündige Aufnahme nicht mehr zu finden (möglicherweise wurden Ausschnitte in andere Propagandafilme übernommen).</p>
         </fn>
         <fn id="fn76">
            <p>Israelische Nationalbibliothek, Jerusalem, Scholem-Collection, Arc. 4° 1599 01 0444.</p>
         </fn>
         <fn id="fn77">
            <p>Im Brief vom 9. April 1932 schreibt Scholem, er habe (in Rom) einen „sehr freundlichen Begrüßungsbrief“ von Casutto erhalten.</p>
         </fn>
         <fn id="fn78">
            <p>Etwa wenn es bei der Beschreibung der Manuskripte heißt: „Die beiden anderen enthalten allerlei Collectanea; eins beginnt mit Sot ha-Yichod (sic) von Mordechai ha-Sabuni. Kennen Sie den Herrn?“</p>
         </fn>
         <fn id="fn79">
            <p>Gershom Scholem, <italic>Peraqim</italic>. Zum Hinweis auf Steinschneider siehe Steinschneider, <italic>Die hebräischen Übersetzungen</italic>, 405–406 (§ 236; zu Juda ben Nissim ibn Malka).</p>
         </fn>
         <fn id="fn80">
            <p>Vgl. dazu Necker und Rebiger, „The One and the Many“.</p>
         </fn>
         <fn id="fn81">
            <p>Das Fragment beginnt mit einem „Kommentar des Schmarya aus Kreta“ und fährt fort: „Es ist merkwürdig, was die Yemeniten alles für Literatur besassen. Wir haben eine schöne yemenitische Hs. des Schuschan ha-Sodot.“ Die einzelnen Angaben – z. B. wird eine yemenitische Handschrift zu <italic>Shushan Sodot</italic> erwähnt, auch Jakob ha-Kohens Alphabetkommentar, sowie „Gematriot zum Pentateuch und ein Kommentar zum Gebetbuch, beides fälschlich Nachmanides zugeschrieben, deutsche Schule, Keter Shem Tov“ usw. – werden bestätigt in Marx, „A New Collection“, 141 und 160–162 (hier auch die Beschreibungen, die zu MS New York, JTS, 8122 und zum <italic>Sod ha-Yiḥud</italic> des Mordecai ha-Sabuni passen, siehe oben, Anm. 78).</p>
         </fn>
         <fn id="fn82">
            <p>Möglicherweise ist die Einordnung aufgrund des durchgestrichenen Namens „Prof. Cassuto“ in der Kopfzeile erfolgt.</p>
         </fn>
         <fn id="fn83">
            <p>Brief vom 29. Mai.</p>
         </fn>
         <fn id="fn84">
            <p>Siehe Abb. 2. Professor Shmu’el Klein (1886-1940) hatte den Lehrstuhl für historische Landeskunde an der Hebräischen Universität inne und wurde 1932 Präsident der Jewish Palestine Exploration Society.</p>
         </fn>
         <fn id="fn85">
            <p>Dieser offizielle Brief ist in der Korrespondenz mit Escha enthalten, da Scholem handschriftlich eine Nachricht an Escha ergänzte.</p>
         </fn>
         <fn id="fn86">
            <p>Vgl. auch seinen Brief vom 4. Juni aus Florenz: „Wen soll ich denn als ‚Referenten‘ für meine Eignung als philosophischer Lehrer angeben, wo ich doch auf diesem Gebiet niemals etwas gemacht habe! Das kommt doch wieder alles auf Schwindel heraus!“</p>
         </fn>
         <fn id="fn87">
            <p>Vgl. Scholem, <italic>Judaica 6</italic> mit Scholems Brief vom 12. Juli 1925 an Chaim Nachman Bialik.</p>
         </fn>
         <fn id="fn88">
            <p>Brief vom 30. Juni.</p>
         </fn>
         <fn id="fn89">
            <p>Goethe, <italic>Italienische Reise</italic>, 58–59.</p>
         </fn>
         <fn id="fn90">
            <p>Brief vom 9. Juni, in Parma geschrieben.</p>
         </fn>
         <fn id="fn91">
            <p>Brief vom 9. Juni. Inzwischen gibt es einen ausgezeichneten Katalog: Busi, <italic>Catalogue</italic>.</p>
         </fn>
         <fn id="fn92">
            <p>Scholem, <italic>Peraqim</italic> (Sammelband der Aufsätze in <italic>Qiryat Sefer</italic> 4-7 [1927-1930]). Scholem hatte erklärtermaßen „die Kenntnis und Niederschrift der Entwicklungsgeschichte der Kabbala“ als Ziel vor Augen, wie er in seinem Brief an Bialik (12.7.1925) programmatisch formuliert hatte (Scholem, <italic>Judaica 6</italic>, 55).</p>
         </fn>
         <fn id="fn93">
            <p>Alle Beiträge – zur Entwicklung der Vier-Welten-Lehre, zu Isaak ha-Kohen und zu Moses von Burgos und seinen Schülern – erschienen gut ein Jahr später zusammen wieder als Sammelband, Scholem, <italic>Le-ḥeqer</italic>, gedacht als Fortsetzung des unter dem Sammeltitel „Quellen zur Geschichte der Kabbala vor dem Erscheinen des Sohar“ veröffentlichten Aufsatzes <italic>Qabbalot R. Ya’aqov we-R. Yitsḥaq;</italic> zur aktuellen Forschung siehe Oded Porat, <italic>The Writings</italic>.</p>
         </fn>
         <fn id="fn94">
            <p>Etwa im Brief vom 14. Juli („der Narr von Epstein hat mir idiotischer Weise die <italic>hagahot</italic> nach Parma geschickt, von wo aus sie mir nicht nachgeschickt wurden [sein Brief aber ja] und somit genau wie ich ahnte daß es kommen würde mit dem Ms. verloren sind!!“).</p>
         </fn>
         <fn id="fn95">
            <p>Scholems in Ansätzen überraschende Neubewertung der Kabbala des Jakob ha-Kohen aufgrund seiner Funde in Italien wurde erst in der neueren Forschung intensiviert, vgl. Daniel Abrams, „Metatron as Logos“.</p>
         </fn>
         <fn id="fn96">
            <p>Vgl. Bernheimer, <italic>Codices Hebraici</italic>, 76. Nach Abrams, „Metatron as Logos“, 81, wurde diese Einleitung von einem Schüler Jakob ha-Kohens verfasst. Der „Gottesname“ bezieht sich auf die jeweils 72 Buchstaben enthaltenden Bibelverse Ex 14,19-21, die mit bestimmter Kombinationsmethode 72 Buchstabentriaden ergeben.</p>
         </fn>
         <fn id="fn97">
            <p>Siehe Scholems Rezension von Bernheimers Katalog, „Milan“, 188–189.</p>
         </fn>
         <fn id="fn98">
            <p>Der in Livorno geborene Spezialist für Paläographie, Carlo Bernheimer (1877-1966), hatte Scholem noch in Italien seinen Katalog der hebräischen Handschriften in Livorno geschenkt; er war Professor für Sanskrit an der Universität Bologna, bis er 1938 aufgrund der faschistischen Rassengesetze (Leggi razziali) in Italien suspendiert wurde.</p>
         </fn>
         <fn id="fn99">
            <p>Der Inhalt dieser Gespräche hat sich teilweise im Katalog der Ambrosiana niedergeschlagen, Bernheimer, <italic>Codices Hebraici</italic>, XII („Restat ut viro amicissimo et humanissimo Gherardo Scholem gratias agam, qui doctrinae mysticae apud Hebraeos ejusque historiae peritissimus, notitias complures liberatiter mihi de codicibus suppeditavit, in collectionum catalogis prave vel mendose descriptis; qui praeterea, in tanta opusculorum vel tractandtium, quae facilem errandi occasionem facit, suo me judicio lubenter adjuvit. Omnia quae viro doctissimo debeo suo loco relata vel abbreviatione ‚Schol.‘ designata sunt“), sowie 67; dass MS Mailand, Ambrosiana Z 64 sup., den für Scholem wichtigsten Fund in der Ambrosiana darstellte, verdeutlicht er in seiner Rezension von Bernheimers Katalog, „Milan“, 187; zu dieser Handschrift (mit der späteren Signatur Vatikan, BAV, ebr. 288) vgl. Herrmann, <italic>Massekhet Hekhalot</italic>, 40 und 61; Herrmann verwendete diese Handschrift als Basistext seiner Edition von <italic>Massekhet Hekhalot.</italic></p>
         </fn>
         <fn id="fn100">
            <p>Papst Pius XI. war ab 1907 selbst Direktor (Präfekt) der Ambrosiana sowie ab 1912 (Vizepräfekt) und 1914 der Vatikanischen Bibliothek. Die Information zur Audienz in Rom ist am Ende der Handschrift (italienisch) notiert.</p>
         </fn>
         <fn id="fn101">
            <p>Dass die Analogie zu Goethes Italienreise mit Scholems Fahrt nach München nicht nur wörtlich an ihre Grenzen kommt, findet eine Entsprechung in der enormen deutsch-jüdischen Goetherezeption, für die gerade das Goethejahr 1932 zum Grenzfall geworden war. Vgl. dazu vor allem den Beitrag von Schoor, „‚Goethe‘ als Paradigma“.</p>
         </fn>
         <fn id="fn102">
            <p>Scholem wohnte bei Dr. J. M. Guttmann, den er in Rom kennengelernt hatte.</p>
         </fn>
         <fn id="fn103">
            <p>Zu Hedwig und Dina Scholem vgl. Shedletzky, <italic>Betty Scholem</italic>, Index.</p>
         </fn>
         <fn id="fn104">
            <p>Scholem traf Held noch einmal, 1946, während seiner Europareise als Bevollmächtigter der Hebräischen Universität Jerusalem – im Auftrag der Jewish Cultural Reconstruction – in München wieder, vgl. seinen Brief vom 29 Juli 1946, in: Shedletzky, <italic>Scholem,</italic> <italic>Briefe</italic>, 320-22; vgl. auch Zadoff, <italic>Gershom Scholem</italic>, 127. Scholem hatte Helds Buch <italic>Das Gespenst des Golem. Eine Studie aus der hebräischen Mystik mit einem Exkurs über das Wesen des Doppelgängers</italic> bereits 1927 besprochen. Er bezog sich darauf auch in Scholem, „Eine kabbalistische Erklärung“, 289 Fn. 2.</p>
         </fn>
         <fn id="fn105">
            <p>Brief vom 30. Juli.</p>
         </fn>
         <fn id="fn106">
            <p>Brief vom 5. August. Buber hatte offenbar Erfolg: am 6. April 1933 antwortet Scholem auf einen Brief des (bis 1938) Geschäftsführers im Berliner Schocken Verlag, Lambert Schneider, vom 21. Januar 1933 und geht detailliert auf das Veröffentlichungsprogramm ein, das er, Scholem, Buber präsentiert habe. Auch das Lexikon zum Sohar, das er im Brief vom 5. August noch explizit ausklammerte, kam dort zur Sprache (Shedletzky, <italic>Scholem, Briefe</italic>, 250–251).</p>
         </fn>
         <fn id="fn107">
            <p>Im Brief vom 21. August bezieht sich Scholem noch einmal auf die Gespräche und auf Edith Rosenzweigs Plan, im Frühjahr 1933 nach Palästina zu kommen. Zu Scholems Korrespondenz mit Franz Rosenzweigs Witwe siehe Shedletzky, <italic>Scholem, Briefe</italic>, 246–250 (Brief an Edith Rosenzweig vom 29. Oktober 1931); zur Vereinigung <italic>Brit Schalom</italic> vgl. Zadoff, <italic>Gershom Scholem</italic>, 38-59. Dass Escha sehr rührig an diesem „Friedensbund“ zu jüdisch-arabischen Verständigung beteiligt war, kommt in ihrer Korrespondenz gelegentlich bei Fragen zu Veröffentlichungen im Publikationsorgan des <italic>Brit Shalom</italic>, <italic>She’ifotenu</italic> [„unser Bestreben“], zur Sprache.</p>
         </fn>
         <fn id="fn108">
            <p>Brief vom 21. August. Es handelt sich um MS Cambridge, University Library, Hebr. Add. 1023 (14. Jahrhundert, byzantinisch).</p>
         </fn>
         <fn id="fn109">
            <p>Der Brief erschien in der <italic>Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung</italic> vom 15. August 1932 (abgedruckt in Shedletzky, <italic>Scholem, Briefe</italic>, 466-472). Als Scholem Escha von der Veröffentlichung erzählte, war die Ausgabe bereits erschienen.</p>
         </fn>
         <fn id="fn110">
            <p>Brief vom 20. Juni aus Parma. In Mailand begann er mit der „Reinschrift“ und überlegte noch, ob er ihn an die zionistische Wochenschrift „Selbstwehr“ in Prag schicken sollte. Scholem traf Schoeps in Berlin und berichtet Escha (am 20. September) von seinem Gespräch mit „einem 23jährigen dummen Jungen, der es sehr gut meint, aber von nichts eine Ahnung hat.“</p>
         </fn>
         <fn id="fn111">
            <p>Mit Scholems Quelle „Fränkel“ ist möglicherweise Abraham (Adolf) Fränkel gemeint, der 1933 endgültig nach Jerusalem zurückkehrte und 1938 Rektor der Hebräischen Universität wurde, vgl. Shettletzky, <italic>Betty Scholem</italic>, 327–328.</p>
         </fn>
         <fn id="fn112">
            <p>Undatierter Brief aus München, Ende Juli.</p>
         </fn>
         <fn id="fn113">
            <p>Brief vom 21. August.</p>
         </fn>
         <fn id="fn114">
            <p>Auf diesen Brief reagierte Benjamin mit den eingangs erwähnten Glückwünschen, siehe oben, Anm. 9.</p>
         </fn>
         <fn id="fn115">
            <p>Brief an Magnes vom 22. Oktober 1933; vgl. den hebräischen Text im Ausstellungskatalog von Cohn und Plessner, <italic>Gershom Scholem</italic> <italic>(1887–1982)</italic>, 22 (hebräischer Teil).</p>
         </fn>
         <fn id="fn116">
            <p>Am 10.8.1933 wurde in Genf die Einrichtung der Professur für jüdische Philosophie beschlossen, siehe Shettletzky, <italic>Scholem, Briefe</italic>, 153–154 (Brief an Buber vom 10. August 1933) und 415 Fn. 4. Zu Scholems Empfehlungsschreiben für Buber auf einen Lehrstuhl für Religionswissenschaft vom 27.12.1933, siehe 254–256. Scholem erhielt das offizielle Schreiben seiner Professur <italic>in personam</italic> am 16.10.1932.</p>
         </fn>
         <fn id="fn117">
            <p>Brief vom 26. August. Scholem hoffte, Burkitt als Fürsprecher für seine Arbeit gewinnen zu können.</p>
         </fn>
         <fn id="fn118">
            <p>Brief vom 16. September.</p>
         </fn>
         <fn id="fn119">
            <p>Er schreibt Escha am 20. September, dass sie ihren „abscheulichen“ Goethe bis zu seiner Ankunft verschenken solle, da er eine bessere Ausgabe von seiner Mutter schicke.</p>
         </fn>
         <fn id="fn120">
            <p>Brief vom 19. September: „Walter ist noch nicht hier.“ Von Hannah Arendt, die er nach seinen Angaben bei dieser Gelegenheit ebenfalls in Berlin getroffen hat (Scholem, <italic>Walter Benjamin</italic>, 238–239), schreibt er nichts in der Korrespondenz mit Escha.</p>
         </fn>
         <fn id="fn121">
            <p>Lichtheim, mit dem Scholem öfter kontrovers diskutierte, übersetzte einige Jahre später Scholems 1941 erschienenes Standardwerk <italic>Major Trends in Jewish Mysticism</italic> aus dem deutschen Manuskript. Scholems Beschreibung des gemeinsamen Abends mit Lichtheim in Berlin enthält auch seine im Gespräch mit zwei anderen eingeladenen Gästen entstandene Antipathie – es waren zwei der am 31. Juli mit nur vier Abgeordneten ins Parlament eingezogenen „Deutschen Staatspartei“: der 1933 in die USA emigrierte Ökonom Gustav Stolper (1888–1947) und der spätere deutsche Bundespräsident Theodor Heuss (1884–1963). Vgl. Brief vom 19. September.</p>
         </fn>
         <fn id="fn122">
            <p>Brief vom 16. September.</p>
         </fn>
         <fn id="fn123">
            <p>Vgl. Benjamins Brief vom 22.4.1932 an Scholem, der ihm aus Rom geschrieben hatte; Benjamin wünscht ihm und sich selbst eine gute Reise und formuliert seine Erwartungen gegenüber „den merkwürdigen Herren Oko und dem wundertätigen Schocken“ (Benjamin, <italic>Gesammelte Briefe</italic>, 86). Benjamins Briefe erwähnt Scholem im Brief an Escha am 20. Mai 1932.</p>
         </fn>
         <fn id="fn124">
            <p>Scholem bat Escha im Brief vom 19. Juni: „Gratuliere Walter Benjamin zum 40. Geburtstag – vergiß das nicht (15.V.). Schreibe rechtzeitig nach Ibiza (Balearen), San Antonio.“</p>
         </fn>
         <fn id="fn125">
            <p>Nur als kurioses Detail sei noch erwähnt, dass bisher bekannt war, dass Scholem seine Sympathie für Katzen mit Dämonennamen wie „Bilar“ verband, auf die er in seiner Forschung stieß – in der Korrespondenz mit Escha erfahren wir, dass er als Hundenamen (!) unter anderem <italic>Mazpaz</italic> empfiehlt, also eine über Buchstabenvertauschung (sog. Atbash-Methode) gewonnene Entsprechung zum heiligen vierbuchstabigen hebräischen Gottesnamen, dem Tetragramm.</p>
         </fn>
         <fn id="fn126">
            <p>Hebräische Universität Jerusalem, Scholem-Collection, Elsa Escha Burchhardt I-XII, ARC. 4* 1599 01 3065 bis ARC. 4* 1599 01 3076.</p>
         </fn>
      </fn-group>
      <app-group>
         <app id="d1e598" content-type="figures">
            <title>Abbildungen</title>
            <p>Mit Dank an das Gerschom Gerhard Scholem Archiv (Arc. 4°1599013099) der Israelischen Nationalbibliothek sowie an den Suhrkamp Verlag für die Abbildungserlaubnis.</p>
            <fig>
               <label>Abbildung 1</label>
               <caption>
                  <p>Postkarte aus Parma vom 16. Juni 1932</p>
               </caption>
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            <fig>
               <label>Abbildung 2</label>
               <caption>
                  <p>Postkarte aus Parma vom 16. Juni 1932</p>
               </caption>
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            </fig>
            <fig>
               <label>Abbildung 3</label>
               <caption>
                  <p>Offizielles Schreiben des Dekans Shmu’el Klein vom 27. Mai 1932, mit handschriftlicher Mitteilung von Gershom Scholem an seine Frau Escha</p>
               </caption>
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